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NWZonline.de Region Delmenhorst

„Die Ungleichheiten spalten die Gesellschaft“

03.05.2017

Delmenhorst Wer Armut nur mit einem knappen finanziellen Budget beschreiben will, greift zu kurz. Das betonte Franz-Josef-Franke, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg-Land, am vergangenen Freitagabend in einer Rede auf dem Arbeitnehmerempfang der Stadt im Rathaussaal. Das Thema des Empfangs, laut Oberbürgermeister Axel Jahnz „der älteste, den wir hier in der Stadt haben“, lautete „Wer arm geboren ist, wird arm sterben? Über den Zusammenhang von Kindes- und Altersarmut – allgemein in Deutschland und speziell in Delmenhorst“.

„Neben der materiellen Armut sehen wir auch Bildungsarmut, Statusarmut und soziale Armut. Wenn nur zwei dieser Faktoren nicht stimmen, ist die Sogwirkung nach unten groß“, sagte Franke. Die sozialen Schichten seien zunehmend voneinander abgekapselt. Eine gewisse Durchlässigkeit gebe es aber noch von „prekär“ zur Mittelschicht – fataler Weise in beiden Richtungen.

Doch wie gegensteuern? Franke: „Das Konzept ,Die Reichen entlasten, dann haben alle was davon‘ stimmt – bezogen auf Almosen geben.“ Man müsse sich fragen, was Gerechtigkeit bedeutet. „Ist es gerecht, wenn jeder das bekommt, was er braucht, oder ist es gerecht, wenn jeder das kriegt, was er verdient?“, fragte Franke ins Publikum. Die Frage war wohl eher rhetorisch gemeint. „Ich glaube, man muss dazu kommen, dass Bildung kostenfrei ist – komplett. Es muss möglich sein, dass man ohne den Background vom Elternhaus gut lernen kann.“ In Delmenhorst werde im niedrigschwelligen präventiven Bereich „eine ganze Menge“ geleistet, zum Beispiel in den Kinder- und Jugendhäusern der Stadt.

Franke hat beobachtet, dass es die Migranten sind, die es am ehesten schaffen, sich aus prekären Verhältnissen hochzuarbeiten. Woran das liegt? „Weil die die Hoffnung haben, dass ihre Kinder und Enkel es einmal besser haben.“ Das allerdings schaffe Ressentiments nach dem Motto „Ich will nicht absteigen, deshalb darf keiner hochkommen.“

Über den Zusammenhang von Kindes- und Altersarmut sprach Niels Spilker (Hannover) vom DGB-Bezirk Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt. „Deutschland wird immer ungleicher.“ Das sei kein Alarmismus, sondern Tatsache. Laut Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes sind mit 13 Millionen noch nie so viele Menschen von Armut bedroht gewesen wie derzeit. „Aus Sicht des DGB ist das ein extrem großes soziales und gesellschaftliches Problem. Wer arm ist, für den wird es immer schwieriger.“ Kinder aus Familien in wirtschaftlich prekären Verhältnissen entwickelten ein negatives Selbstbild, sie scheiterten am Bildungssystem. Spilker: „Wir fordern gute Arbeit, die vor Armut schützt. Die Ungleichheiten am Arbeitsmarkt belasten die sozialen Sicherungssysteme und spalten die Gesellschaft.“

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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