Delmenhorst - Zunächst schien es so, als sei ein Austausch zwischen den Vertretern des Breiten Bündnisses gegen Rechts und den selbst ernannten „besorgten Bürgern“ in Form einer Podiumsdiskussion in der evangelischen Stadtkirche durchaus möglich. Im Verlauf des Donnerstagabends stellte sich aber schnell heraus: Zu einem ruhigen Gespräch in dieser von Emotionen und Ansichten aufgeheizten Atmosphäre sollte es nicht kommen.

„Die ganzen Zwischenrufe und dass die Leute – gerade in der ersten Reihe – immer wieder aufgestanden sind, nicht haben ausreden lassen, das ist ein ganz unzivilisiertes Verhalten“, ärgerte sich Dr. Christian Glaß, Sprecherrat des Breiten Bündnisses gegen Rechts. Teils habe man sich von dem rüpelhaften Verhalten sogar bedroht gefühlt.

Beschlossen worden war das Treffen, nachdem die „besorgten Bürger“ um Alexander Pfeifer und Dimitri Zejzev am 28. Februar über rechtspopulistisch anmutende Handzettel zur Demonstration auf dem Delmenhorster Marktplatz aufgerufen hatten (NWZ  berichtete). Die Überschrift: „Delmenhorst, wach’ auf!“ Die Versammlung hatten die beiden Veranstalter aufgrund schlechter Organisation und in Abstimmung mit dem Bündnis vorzeitig abgebrochen. In der Podiumsdiskussion wolle man klären, was die Ängste der Russlanddeutschen („besorgte Bürger“) seien, so der Konsens damals. „Wir wollten aber gar nicht mit euch reden“, betonte Dimitri Zeyzev nun hingegen. „Wir haben euch nicht eingeladen, aber ihr seid gekommen und habt uns gestört.“ Die „besorgten Bürger“ seien keine Rechtsradikalen, aber sie hätten Angst vor den vielen Kriminellen, die mit den Flüchtlingen ins Land kämen.

„Das ständige Gerede, dass Kriminelle unter den Flüchtlingen sind, ist einfach undifferenziert“, konterte Dr. Christian Glaß, untermalt von Buh-Rufen der „besorgten Bürger“. „Das läuft gar nicht, wie wir uns das vorgestellt haben“, meinte Pastor Dr. Enno Konukiewitz, der die Veranstaltung moderierte.

Letztlich habe man sich aber auf einen „Minimalkonsens“ einigen können, dass man weiterhin das Gespräch suchen werde – nächstes Mal im kleinen Kreis, so Glaß. Der nächste Schritt liege nun aber erstmal bei den „besorgten Bürgern“.