Die drob
bietet anonyme Drogenberatung bei Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch, aber auch bei Spielsucht.Knapp 400
Frauen und Männer haben sich im Jahr 2006 wegen Alkoholproblemen an die von der AWo getragene Einrichtung gewandt und um Hilfe gebeten.Die Mitarbeiter
der drob
sind erreichbar unter 04221/14055 oder per E-mail unterinfo@drob-del.awo-ol.de
Der Übergang vom Gläschen Wein zum Mittagessen bis hin zur Sucht ist schleichend. Und er geht manchmal über Jahrzehnte.
Von Mechthild Voigt
Delmenhorst Die Flasche stand schon neben dem Bett, und ohne den ersten Schluck Alkohol am Morgen fehlte der Antrieb, um als Ehefrau, Mutter und Berufstätige zu funktionieren. „Wir haben uns so geschämt“, sagen Bärbel und Julia rückblickend. Beide haben seit geraumer Zeit ihre jahrelange Sucht überwunden. Gestützt wurden sie durch die Drogenberatung (drob). Deren Vorsitzende Evelyn Popp und Stellvertreter Heiner Mönkehues zeigen die „rote Karte“ und wollen im Rahmen der Suchtwoche vom 14. bis 18. Juni am Schicksal der beiden Klienten auf Risiken und Chancen aufmerksam machen.
Beide Frauen wuchsen auf und lebten in einer Umgebung, in der Alkohol bei sonntäglichen Mittagessen oder Familienfeiern „einfach dazugehörte“. Der Übergang vom „normalen“ Konsum zum Missbrauch und schließlich zum eigenen körperlichen Verfall war schleichend und dauerte Jahre. Trank man anfangs, um in Stimmung zu kommen, war es bald umgekehrt. Stress, finanzielle Sorgen, häusliche Probleme und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, wurden Anlass zum Trinken. „Man gesteht sich lange nicht ein, abhängig zu sein, schließlich entspricht man nicht dem Klischee und lebt verwahrlost unter Brücken“, sagt Julia rückblickend. Hinzu komme, dass man selbst und andere ein Bild aufgebaut haben, dem man nach außen unbedingt entsprechen will. „Ich war immer in einer Rolle, die ich 150-prozentig ausüben wollte“, erinnert sich Julia. „Bis es irgendwann einfach nicht mehr ging“.
Keine Kraft mehr, depressiv und voller Scham – wie Bärbel und Julia kommen viele zur drob und starten hier in ein neues Leben mit Beratungsgesprächen, Entgiftung, wochenlangen Kuren und vor allem dem Gefühl: „Du bist nicht allein“.
„Selbst ein Rückfall ist nicht der Teufel, sondern Teil der Erkrankung“, betont Evelyn Popp. Genauso wie den Klienten klar sein müsse, dass sie ständig trainieren müssen, weiterhin „nein“ zu Alkohol zu sagen.
Und auch die Neufindung im Alltag ohne die Droge ist stete Arbeit. Dafür kämen längst verschüttete gute Eigenschaften wieder zum Vorschein, so Bärbel: „Und auch körperlich geht es mir viel besser“.
„Das ist schon eine Bereicherung“, sagt auch Julia. Andererseits ist man sich selbst so nah wie nie, sieht seine Defizite und muss sie aushalten: „Und das ist nicht nur Freude. Man ist zwar lebendiger, aber es ist auch anstrengend.“
