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NWZonline.de Region Delmenhorst

Patenschaftsmodell: Ein ganz normales Familienleben

24.08.2016

Delmenhorst Eigentlich sind Selina (Name geändert) und ihre Mutter ein gutes Team. Doch manchmal versteht sie nicht ganz, warum sie alle Fenster abdunkelt und tagelang nicht das Haus verlässt. Mit jemandem darüber zu reden, traut sich Selina nicht. Zu groß ist die Angst vor Ablehnung oder, dass sie sogar von zu Hause wegmuss.

„Psychische Erkrankungen nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu. Das hat nicht nur für die Betroffenen selbst weitreichende Folgen, sondern auch für ihre Familien und insbesondere ihre Kinder. Obwohl psychisch kranke Eltern am Wohl ihrer Kinder interessiert sind, sind sie durch ihre eigenen hohen Belastungen zeitweise mit der Kinderbetreuung- und -erziehung überfordert“, weiß Kristina Taeger von der gemeinnützigen Organisation Plan A.

Teilnahme-Voraussetzungen für Paten

Erfahrung im Umgang mit Kindern Akzeptanz psychisch kranker Menschen Motivation, eine langfristige Bindung zu dem Kind einzugehen Zeit und Räumlichkeiten, mindestens einmal in der Woche Bereitschaft, an Seminaren, Patentreffen und Erfahrungsaustausch teilzunehmen Führungszeugnis für alle Personen, die über 18 Jahre sind und im Haushalt leben

Vor acht Jahren wurde in Delmenhorst ein Patenschaftsmodell für Kinder psychisch kranker Eltern ins Leben gerufen. Dabei treffen sich die Paten mit ihren Patenkindern einmal in der Woche, unternehmen etwas zusammen. Einmal im Monat übernachten die Kinder auch am Wochenende bei ihren Paten.

Kristina Taeger betreut das Projekt seit zwei Jahren. „Wir haben acht Paten, die zehn Kinder betreuen“, erzählt Taeger. Die Patenschaft ist ehrenamtlich, für die Paten gibt es eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro pro Monat.

„Bei uns können sich Eltern melden, die sich aufgrund einer psychischen Krankheit in Behandlung befinden“, so Taeger. Borderline, Schizophrenie, Angststörungen – Kinder psychisch kranker Eltern erleben nicht selten extreme Verhaltensweisen ihrer Eltern, die sie weder verstehen, noch verarbeiten können. Deshalb haben sie ein erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Störung zu entwickeln.

Sabrina Bahl ist erst seit Kurzem Patin eines dreijährigen Jungen. „Ich habe von dem Modell durch einen Artikel in der Zeitung erfahren“, sagt sie. Die Krankenschwester hat selbst zwei Kinder und einen großen Garten mit vielen Spielsachen.

„Der Kleine lebt in einer Wohnung und ist froh, wenn er im Garten toben kann“, weiß Sabrina Bahl. „Vor Kurzem waren wir mit ihm im Tierpark. Dort hat er zum ersten Mal Tiere gesehen, ich dachte er wird ohnmächtig“, sagt sie.

Reden muss ihr Patenkind über sein Zuhause und die dortige Situation nicht. „Er soll sich einfach wohlfühlen, am Familienleben teilhaben“, so Bahl.

„Wir wollen den Eltern die Kinder nicht wegnehmen oder sie in ihrer Erziehungsarbeit bevormunden“, betont Kristina Taeger. „Durch das Modell erhalten sie einfach Unterstützung und eine manchmal so dringend benötigte Auszeit.“ Eine Auszeit, die Vorteile für alle bietet.

Zweimal im Jahr treffen sich Paten, Eltern und Patenkinder zum gemeinsamen Grillen oder zu Ausflügen. „Vor Kurzem waren wir auf dem Märchen-Campingplatz am Steller See“, erzählt Heike Hammel. Sie ist bereits seit sieben Jahren dabei, ihr Patenkind – ein 15-jähriges Mädchen. „Keine einfache Phase zur Zeit“, weiß die Köchin. „Aber wir kennen uns ja schon so lange, da ist einfach das Vertrauen da“, so Hammel. Auch zu ihrer Mutter hat die Patin ein gutes Verhältnis.

„Über Unterstützung freuen wir uns natürlich immer“, so Kristina Taeger. Wer Pate werden möchte, meldet sich unter Telefon 0176/12 98 38 38.

Julia Zube Volontärin / NWZ-Redaktion
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