Delmenhorst - Jeder sechste Erwachsene in Deutschland liest wie ein Zehnjähriger. Das geht aus der ersten Bildungsvergleichsstudie „PIAAC“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unter 16- bis 65-Jährigen aus 24 Industrienationen hervor. Das dies kein neues Problem ist, weiß man auch bei der Volkshochschule Delmenhorst – und holte sich nun Hilfe aus Oldenburg.

Achim Scholz, Leiter der abc-Projektes an der VHS Oldenburg und zwei Gründer einer Selbsthilfegruppe waren am Dienstag auf der Nordwolle zu Gast und berichteten von ihren eigenen Erfahrungen. Brigitte van der Velde, die erst im Alter von 45 Jahren das Lesen und Schreiben erlernte, schilderte ihren Leidensweg, der gesäumt war von Strategien, um ihr Geheimnis für sich zu behalten. Umso „erfüllender“ ist es nun für die 61-Jährige, sich in der Welt der Buchstaben sicher zurechtzufinden. Gerade vor diesem Erfahrungshintergrund bemüht sie sich gemeinsam mit Ernst Lorenzen, funktionalen Analphabeten Wege in Lese- und Schreibkurse zu weisen. Der 58-Jährige, der vor drei Jahren in einem Intensivkursus Lesen und Schreiben lernte, hat seither „viel runtergeschrieben, was mir alles passiert ist in meinem Leben“.

Für die Vertreter der VHS Delmenhorst, neben der pädagogischen Leiterin Annegret Helmers auch die Lehrkräfte Michaela Jurk und Helmuth Hahner, waren bei dem Informationsgespräch besonders die Fragen der Finanzierung und der Gewinnung von funktionalen Analphabeten für ihre Kursusangebote von großem Interesse.