Delmenhorst - Vor fast zehn Jahren brannte das Landgasthaus „Zur Pultern“ an der Syker Straße am Delmenhorster Ortsausgang nieder. Seitdem rottete die Ruine vor sich hin, die Natur hat sich das Gelände wieder zurückerobert. Jetzt endlich soll der Abbruch beginnen. Die auf solche Aufgaben spezialisierte Firma Freimuth aus Bülkau bei Cuxhaven hat dafür nach einigen Ausschreibungs-Problemen den Zuschlag erhalten und wird am Montag mit der Arbeit beginnen. „Ich rechne mit vier Monaten“, sagte am Freitag bei einem Ortstermin Dipl.-Ing. Dirk Gattorf aus Künzell bei Fulda, der im Auftrag der Stadt die Abbrucharbeiten fachlich begleiten wird. Laut Gattorf lagern auf dem Gelände mehrere hundert Kubikmeter wilder Müll, und der ist nicht das einzige Problem. Krebserregende Asbestplatten-Bruchstücke und Fetzen von Mineral-Dämmwolle finden sich überall; sie müssen per Hand aus dem Schutt sortiert werden. Das alles, so Gattorf, nehme viel Zeit in Anspruch. Gerechnet wird mit Abbruchkosten in Höhe von 150 000 Euro. Dazu kommen Kosten für die Entsorgung des teilweise mit Schadstoffen belasteten Bauschutts. Der alte Baumbestand auf dem Gelände ist kartiert und soll erhalten bleiben.
Im August 2013 hatte die Stadt das 33 000 Quadratmeter große Areal, zu dem neben dem Gaststättengebäude noch diverse andere Gebäude, das Vereinsheim des ehemaligen Schützenvereins „Zentrum“ und ein See zählen, in einer Zwangsversteigerung für 193 000 Euro erworben. Was mit dem Gelände nach der Räumung passiert, muss die Politik erst noch entscheiden. Angedacht worden war, das Gelände der Naherholung zu widmen und wieder einen Gastronomiebetrieb anzusiedeln. Weil die Stadt nördlich des „Pultern“-Geländes noch Grundeigentum hat, existieren auch Überlegungen, einen Teil des Areals für eine Straßenanbindung des Gewerbegebiets Langenwisch an die B 75 zu nutzen. Auch ein Neubau einer Stadthalle als Ersatz für die ehemalige Delmehalle könnte dort entstehen.
Gegen ein kombiniertes Gewerbe und Erholungsgebiet auf dem Gelände hat sich derweil der Naturschutzbund (NABU) ausgesprochen. Auf der Fläche hätten sich ökologisch hochwertige Biotope gebildet. Der Artenschutz verbiete es, hier einen Eingriff vorzunehmen, schreibt NABU-Referentin Margitta Spiecker in einer Stellungnahme zum Pultern-Areal.
Immobilienmanagement-Fachbereichsleiter Andreas Tensfeldt will nicht über die Zukunft des Geländes spekulieren. Die derzeitige Aufgabenstellung beschreibt er pragmatisch: „Abräumen, glattziehen.“ Was danach komme, werde man sehen.
