Delmenhorst - Der Eklat um den Islam-Vortrag mit Dr. Yavuz Özoguz hat mächtige Folgen. So mächtig, dass die Betroffenen selbst nicht damit rechneten: Tamer Sert, erster Vorsitzender des FDP-Verbandes Delmenhorst, und sein Stellvertreter Claus Hübscher droht der Rauswurf aus der Partei.

Dies bestätigte auch Christian Dürr, FDP-Fraktionsvorsitzender im Niedersächsischen Landtag, auf Nachfrage der NWZ . „Derzeit wird von dem Landesvorstand ein Ordnungsverfahren angestrengt.“ Genaueres könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Nur, dass ein Schiedsgericht über das Verfahren entscheiden wird – und möglicherweise einen Ausschluss der beiden zur Folge haben wird. Der Grund? „Unserer Meinung nach sind die beiden parteischädigend.“ Doch womit schädigen Tamer Sert und Claus Hübscher die FDP genau?

Rückblick: Claus Hübscher hatte den Delmenhorster Muslim, Dr. Yavuz Özoguz, zu einem Gesprächsabend über den Islam in das Hotel Thomsen eingeladen. Gastronom Jens Thomsen lehnte es letztlich jedoch ab, dass der Vortrag im Hotel stattfindet. Er befürchtete Gegendemos. Aber nicht nur Thomsen zeigte sich dem Gesprächsabend gegenüber kritisch: Der Landesvorsitzende der FDP, Stefan Birkner, habe Claus Hübscher angemahnt, „die Finger davon“ zu lassen, wie der Stellvertreter von Sert selbst berichtete. Bereits dann habe Birkner Hübscher mit einem Ausschluss gedroht.

Hier liegt der Knackpunkt: Weil Sert und Hübscher den Gesprächsabend trotz Anraten nicht zurückgezogen hatten, so Dürr, sondern Jens Thomsen die Notbremse gezogen hatte, wurde das Ordnungsverfahren in Gang gesetzt. Schließlich sei es ja auch bekannt, so Dürr weiter, dass Özuguz schon antisemitische Aussagen von sich gegeben hatte.

Sert und Hübscher zeigten sich, angesprochen auf das Verfahren, überrascht. Sert wüsste nicht, was ihm und seinem Parteikollegen konkret vorgeworfen werde. Dass es Reibereien zumindest zwischen Claus Hübscher und dem Landesvorstand gab, ist nichts Neues. Über die Aufforderung Stefan Birkners, den Gesprächsabend mit Özuguz nicht stattfinden zu lassen, sagte er erst vergangene Woche: „Er predigt Toleranz und Meinungsvielfalt, aber intern verpasst er Maulkörbe.“

Abschrecken lassen sich Sert und Hübscher von diesem Vorfall offenbar nicht: Zumindest bei den Wahlen, die am kommenden Donnerstag bei der Kreisverbandsitzung im Riva stattfinden werden, wollen sich beide wieder zur Wahl aufstellen lassen.

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen