Delmenhorst - Stolz streift Janrasul Jamani seine neue Feuerwehrjacke über. Neben dem Arbeitsanzug zieht er auch die Arbeitsstiefel an und legt den Sicherheitsgurt um. Er strahlt, denn jetzt gehört er endlich offiziell zum Team der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst-Stadt.
Am Dienstagabend bekam der 17-Jährige seine Dienstbekleidung überreicht. Der Weg bis zu diesem Tag war steinig. Bis zum Innenministerium mussten sich die Kameraden durchfragen, um eine offizielle Erlaubnis zu bekommen, dass Jamani bei der Feuerwehr aufgenommen werden darf.
Als der Afghane im Mai an das Tor der Freiwilligen Feuerwehr klopfte, waren die Kameraden aufgrund seiner relativ geringen Deutschkenntnisse skeptisch. „Aber wir dachten, wenn einer schon so mutig ist, sich hier eigenständig vorstellt und das unbedingt möchte, dann darf er natürlich auch an den Übungsabenden teilnehmen“, berichtet Florian Nikolaysen, stellvertretender Ortsbrandmeister.
Keinen Übungsabend will der wissbegierige junge Mann verpassen. Ganz genau beobachtet er, was die Kollegen ihm zeigen. Oft übe er das im Anschluss selbstständig, berichtet „Pate“ Martin Manneck. Einmal habe Jamani, nachdem er gesehen hatte, wie ein Kollege Schläuche in einen Korb legte, es selbst versucht. „Janrasul sieht einfach, wo die Lücken sind und wo noch etwas fehlt und packt mit an. Er ist ein Mann der Tat“, stellt Ortsbrandmeister Axel Sanders anerkennend fest. „Man zeigt und erklärt ihm die Dinge einmal und schon hat er sich das gemerkt“, pflichtet ihm Manneck bei.
Einen ersten Einsatz hat der Flüchtling bereits miterlebt. Die Kollegen im Einsatz zu sehen, fand er spannend.
Für Janrasul Jamani ist das Engagement Ehrensache. „Ich mag es, anderen Menschen zu helfen. Das macht mich glücklich“, sagt er.
Der junge Mann hat einen Traum: Er möchte Berufsfeuerwehrmann werden. Doch davor muss er erst noch seinen Realschulabschluss schaffen, deutscher Staatsbürger werden und eine handwerkliche Berufsausbildung absolvieren. Aber der 17-jährige, der derzeit in der Jugendhilfe-Stiftung Delmenhorst lebt, arbeitet hart, um sein Ziel zu erreichen. „In seinem Zimmer schreibt er sich oft auf, was er bei der Feuerwehr gelernt hat“, berichtet Erzieher Lars Prokscha. Fleißig übt er, um irgendwann Berufsfeuerwehrmann werden zu können.
