Delmenhorst - Oberbürgermeister Patrick de La Lanne solle sich „nicht mehr länger gegen kommunale Gesellschaften und deren Mitarbeiter stellen“. Dazu fordern ihn die Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke (SWD) und der Abfallwirtschaft (ADG), Sascha Voigt und Heinz Stoffels sowie der SWD-Betriebsratsvorsitzende Dirk Bramlage und Michael Spohler als Vorsitzender des ADG-Betriebsrats in einem offenen Brief auf, der Ende Juni verfasst wurde.

Hintergrund sind Pläne de La Lannes, die streng vertraulichen Machbarkeitsgutachten der Stadtwerke im Zusammenhang mit der Neuvergabe des Wegenutzungsrechts im Stromsektor und die Konzeptplanung zum Abfallumschlag allen Ratsmitgliedern zukommen zu lassen. Darin sehen die Unterzeichner erhebliche Probleme. Unter anderem, weil Mitbewerber auf diese Art an äußerst sensible Informationen gelangen könnten. Dazu gehören Daten und Fakten zum Personalwesen und Verhandlungsstrategien.

„Durch dann möglich werdende Indiskretionen besteht die Gefahr, dass die zukunftsträchtigen Projekte von SWD und ADG gefährdet werden“, begründet Sascha Voigt den Vorstoß. Er erwarte vom Oberbürgermeister, dass dieser sich als Gesellschafter-Vertreter „bedingungslos“ hinter diese stelle. Dies sei auch mit Blick auf die insgesamt rund 200 Beschäftigten erforderlich. Viele von ihnen hätten große Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Patrick de La Lanne will zu dem Vorwurf aktuell keine Stellung beziehen. Er beruft sich auf eine Auskunft der Kommunalaufsicht, wonach vertrauliche Unterlagen sämtlichen Ratsmitgliedern vorgelegt und sogar ausgehändigt werden dürfen. Bereits Mitte Juni habe er sich aber bereit erklärt, die Stromstudie nicht zu verteilen, erklärte am Montag seine Pressestelle.

„Diese Entscheidung unterstütze ich inhaltlich voll“, so Sascha Voigt, „und ich hoffe, dass wir einen Weg finden, die Geschäftsinteressen schützen zu können“.