Delmenhorst - Eine große Verwandtschaft, teils von weither, hatte sich am Sonntag im Restaurant „Zur Eiche“ in Schlutter eingefunden, um einen besonderen Ehrentag zu feiern: den 100. Geburtstag von Johanna Hampel, geb. Metzner. Im Jahr 1915 in Liebau (Schlesien) geboren, lebt Johanna Hampel seit 1946 in Delmenhorst. Neun Enkel, elf Urenkel und fünf Ururenkel gratulierten ihr – neben zahlreichen weiteren Gästen – zum Geburtstag.

Aus der Ehe mit ihrem im Jahr 1941 im Krieg gefallenen Mann gingen drei Kinder hervor. Der Älteste, Karl-Heinz, ist bereits verstorben. Aber der zweitgeborene Hans-Joachim Hampel, heute 79 Jahre alt, und seine Schwester Dorothee Biermann, heute 77 Jahre alt, feierten am Sonntag gemeinsam mit ihrer Mutter.

„Sie wohnt und kocht für sich alleine. Und ihr großes Hobby ist der Garten“, verriet Hans-Joachim Hampel über das Geburtstagskind.

Im Jahr 1946 ereilte die Jubilarin ein Schicksal, wie es so viele deutschstämmige Schlesier betraf: Die Vertreibung aus der Heimat. Alleinstehend, mit drei Kindern, wurde sie damals in einem Güterwagen in den Westen verfrachtet.

In Delmenhorst schlug sich die allein erziehende Mutter mit kleineren Arbeiten durch. Aber durch die Witwen- und Waisenrente war das Grundeinkommen der Flüchtlingsfamilie gesichert. „Unsere Mutter hat sich immer um uns gekümmert“, sagt Sohn Hans-Joachim dankbar.

Weil zahlreiche andere Liebauer nach dem Krieg in Delmenhorst eine neue Heimat gefunden hatten, übernahm die Stadt im Jahr 1960 eine Patenschaft für Liebau. Im Altbauteil der Parkschule an der Stedinger Straße befindet sich die Ostdeutsche Heimatstube, die davon zeugt.