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NWZonline.de Region Delmenhorst

Integration in                  Theorie und Praxis

23.01.2015

Delmenhorst „Mein Deutsch ist nicht so gut.“ Immer wieder betont Dr. Almohammad Abdulnaser, dass Deutsch ganz schön schwer ist. Verständlich: Wer fünf Fremdsprachen perfekt beherrscht, kann bei der sechsten Sprache schon einmal ins Schleudern geraten. Unter anderem spreche er Russisch und Arabisch, erzählt er. Dr. Almohammad Abdulnaser kommt aus Syrien. „Aber eigentlich bin ich kurdisch“, ergänzt er.

„Integration keine Idylle“

Die deutsche Sprache zu lernen, ist für ihn unabdingbar. Denn er hat große Pläne für die Zukunft: Er möchte in Deutschland seine Tätigkeit als Neurologe weiter ausüben. Ein erster Schritt ist getan. Fünf Monate lang besuchte er den berufsbezogenen Sprachkursus für Migrantinnen und Migranten in der Volkshochschule (VHS). Danach schloss sich ein Praktikum an. Seit drei Wochen absolviert er es bereits in der Praxis für Allgemeinmedizin von Brigitte Unger. Eine Woche steht ihm noch bevor.

Dem Neurologen gefällt es in der Praxis. Das Praktikum sei interessant. Dennoch: „Integration ist keine Idylle“, weiß Brigitte Unger. Sie sei zeitaufwendig. Ihr Team habe bisher jedoch diesen Organisationsaufwand gut umgesetzt.

Auch viele Patienten zeigten sich dem Praktikanten gegenüber offen. Hier stellte die Ärztin fest: Da einige ihrer Patienten beispielsweise besser Arabisch als Deutsch sprechen, konnte sich Dr. Almohammad Abdulnaser gut mit ihnen unterhalten – schließlich beherrscht er diese Sprache, wie er selbst sagt, perfekt.

Trotz aller Fremdsprachenkenntnisse weiß Brigitte Unger jedoch auch, dass es Patienten gibt, die fehlende Deutschkenntnisse bei Medizinern bemängeln. Andersherum sei Delmenhorst aber auch auf Menschen wie Dr. Almohammad Abdulnaser angewiesen. „Derzeit brauchen wir dringend Neurologen.“

Familie in der Türkei

Die Sprachbarriere sei für den Mediziner nur ein Problem. Das Zweite: „Meine Familie ist noch in der Türkei.“ Derzeit bekomme sie kein Visum, um weiter nach Deutschland reisen zu dürfen.

Abdulnaser selbst hat eine Menge dafür gezahlt, um hierherkommen zu dürfen. „Er wurde in Syrien verfolgt und ist dann in die Türkei geflüchtet“, erzählt Heike Stolle-Ahlers von der VHS. Von dort sei es weiter mit dem Lkw nach Deutschland gegangen, ergänzt der syrische Arzt – illegal. „12 000 Euro habe ich dafür bezahlt“, erinnert er sich. Das war im Januar 2014. Und während er das sagt, kann er immer noch nicht so recht fassen, wie viel Geld er für die viertägige Reise in einem Transporter zahlen musste.

Elke Beecken von der VHS weiß, dass es nicht selten ist, dass hochqualifizierte Migranten nach Deutschland kommen. „Wir hatten zeitweise 60 Prozent Akademiker im Sprachkursus.“

Erinnerungsfotos

Am meisten liegt dem Neurologen seine Familie am Herzen. Stets hat er einen Tabletcomputer dabei, um Fotoaufnahmen zu machen und sie seiner Familie zu zeigen. Seine Ziele für die Zukunft? „Ich möchte einen weiteren Deutschkurs machen.“ Und warum seine Familie nach Deutschland kommen soll, kann er auch leicht beantworten: „Damit meine Kinder eine Perspektive für die Zukunft haben können.“


Ein Spezial finden Sie unter   www.nwzonline.de/integration 
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Verena Sieling
Wildeshausen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2708

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