Ufuk Cakit tritt am 12. September bei der Oberbürgermeisterwahl parteilos als Kandidat an. Im Interview spricht er über seine Kernthemen.

Warum treten Sie als parteiloser Kandidat an?

CakitIch kann mich mit keiner der Parteien so richtig identifizieren. Nehmen wir das Beispiel Schule: Jetzt haben alle die Schulen zum Wahlkampfthema gemacht. Aber in den vergangenen zehn Jahren hat keine der Parteien das Thema richtig angepackt.

Bei Ihren Kernthemen steht die Bürgerbeteiligung ganz oben.

CakitJa, die ist mir sehr wichtig. Ich finde bei den großen Themen wie dem JHD oder dem Standort des JHD-Mitte hätte man die Bürger nach ihrer Meinung fragen sollen. Denn wenn man mit ihnen zusammen etwas erarbeitet, hat man auch immer ihren Rückhalt. Natürlich muss man das nicht wegen eines Ampelbaus machen, aber wenn es um die wirklich großen Themen geht, sollte das schon gemacht werden. Es ist ja schon in aller Munde, dass „die da oben sowieso machen, was sie wollen“. Das möchte ich ändern. Und wenn sechs Millionen Euro ausgegeben werden, ist es ja auch immerhin das Geld der Bürger. Außerdem finde ich, sollte es in der Politik nicht immer darum gehen, dass man am Ende sagt: „Das habe ich gemacht“. Wenn alle zusammenarbeiten würden, würde es um das Wir gehen, und in Delmenhorst wäre schnell vieles besser.

Wo brennt es an den Schulen?

CakitAuf jeden Fall muss die Digitalisierung vorangetrieben werden. Das ist das A und O. Aber es geht auch um Kleinigkeiten wie beispielsweise funktionierende Toilettentüren. Man muss ja nicht sofort alles ganz neu machen. Aber man kann wenigstens in einem ersten Schritt das reparieren, was kaputt ist. Und die Schulen müssen coronasicher gemacht werden. Ich habe auf Nachfrage von der Verwaltung erfahren, dass den Schulen in Delmenhorst durch ein Landesförderungsprogramm insgesamt 208 077 Euro für Schutzmittel zur Verfügung stehen. Darunter fallen auch Luftreinigungsgeräte. Aber bisher hat nur eine Schule Bedarf für so ein Gerät angemeldet. Da möchte ich schon die Frage stellen, wo das Geld geblieben ist.

Sie wollen die Berufsbildenden Schulen zusammenlegen.

CakitJa, ich möchte die beiden BBS als separate Schulen auf einem Gelände zusammenlegen, damit sich die Schulen näher kommen und sich gegenseitig unterstützen können. Und auf dem frei werdenden Gelände der alten BBS soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, denn das Gebäude gehört ja der Stadt. In der umliegenden Gegend stehen über 100 Wohnungen frei. Warum ist das so? Vielleicht, weil es dort so desolat aussieht. Als Stadtverwaltung kann man den Gebäudeverwaltungen Auflagen machen, um die Gegend zu verbessern.

Was möchten Sie am Standort JHD-Mitte schaffen?

CakitIch stelle mir dort eine Art Mehrgenerationenhaus vor. Man könnte dort eine kurzzeitige Kinderbetreuung anbieten – zum Beispiel für Alleinerziehende oder andere Eltern, die zum Arzt müssen und nicht wissen, wohin sie mit den Kindern sollen. Man kann dort auch eine Senioren-Mensa einrichten. Man könnte dort auch eine ganze Kita schaffen. Wobei ich nicht weiß, wie da die Substanz ist. Das muss natürlich erst geprüft werden.

Steht die Innenstadt bei Ihnen auf der Agenda?

CakitJa, klar. Aber die Innenstadt zu beleben, ist ein bisschen schwierig. Man müsste das durch kleine bezahlbare Läden mit gestaffelten Mieten machen, sodass sich die Leute auch trauen, sich dort anzusiedeln. Kleine Läden machen eine Innenstadt attraktiver als die großen Ketten, die es überall gibt.

Aber nur durch Einkaufsmöglichkeiten allein wird eine Innenstadt ja nicht attraktiver.

CakitNein, auch Wohnungen müssen entstehen. Außerdem brauchen wir die Feste, wo man zusammen feiern und etwas erleben kann – und zwar nicht nur bis Mitternacht. Früher gab es auf den Festen fünf Bühnen. Heute gibt es mit Ach und Krach eine. Ein Studentenwohnheim würde die Innenstadt auch beleben.