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NWZonline.de Region Delmenhorst

Interview: „Jahnz hat die Stadt heruntergewirtschaftet“

26.04.2021
Ohne die Unterstützung einer Partei will es Andreas Nuß bei den Wahlen am 12. September ins Delmenhorster Rathaus schaffen. Im Interview kritisiert er den jetzigen Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD).
Frage: Herr Nuß, woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein, für das OB-Amt zu kandidieren?

Andreas Nuß: Dieser Eindruck kommt wohl daher, dass ich bisher in der Kommunalpolitik in Stuhr tätig war. Dort war ich Vorsitzender im Ortsverband der Grünen. Deshalb hat man mich nicht in Delmenhorst wahrgenommen, sondern eher dort.

Frage: Sie hätten in Delmenhorst bei den Grünen anklopfen können.

Nuß: Die Grünen haben sich zu einem Steigbügelhalter für die OB-Kandidatin der CDU gemacht. So etwas hätte es mit mir in Stuhr nie gegeben. Eine Steigbügelpartei fällt mit ihrer Politik am Ende immer hinten runter. Umweltorganisationen haben mir klar gesagt, dass grüne Politik in Delmenhorst nicht mehr stattfinde. Wenn solche Institutionen mit mir mehr grüne Politik verbinden als mit den Grünen selbst, habe ich mit meiner Kandidatur nichts falsch gemacht.

Frage: Mit der Unterstützung für Petra Gerlach verlieren die Grünen das eigene Profil?

Nuß: Genau. Der Hauptgrund für meine Kandidatur ist aber, dass ich nie den Bezug zu Delmenhorst verloren habe. Ich wäre auch angetreten, wenn sich Axel Jahnz noch einmal zur Wahl gestellt hätte. Patrick de La Lanne und Jahnz haben die Stadt heruntergewirtschaftet, das hätte nie passieren dürfen.

Frage: Warum sprechen Sie von Herunterwirtschaften?

Nuß: Er hat die Innenstadt aus dem Blick verloren. Da ist so viel schief gelaufen, eine Auflistung würde den Rahmen sprengen. Nur ein Beispiel: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Friseure massiv gestiegen. Demgegenüber steht ein Verlust an Bekleidungsgeschäften. Das hat Jahnz aus dem Auge verloren. Vielleicht ist ihm auch der längere Ausfall der Stadtbaurätin Bianca Urban zum Verhängnis geworden. Das Baudezernat hat immer gute Arbeit geleistet und ist jetzt in Verruf geraten. Jahnz hat diesen Bereich neben seiner Tätigkeit als OB selbst geleitet. Diese vakante Stelle hätte er an jemand anderes übertragen können, Beamte in der Stadtverwaltung gab es dafür genug.

Frage: Sie wollen sich auch dem Tourismus annehmen und den Wochenmarkt stärker bewerben. Aber letzterer ist doch kein Ziel für die Freizeitgestaltung.

Nuß: Sie treffen auf unserem Markt Besucher aus Ganderkesee, Hude, Hatten, Bremen, Achim oder sogar Verden. Tourismus ist aber natürlich mehr als der Wochenmarkt. Mir fehlen bei der Werbung für die Stadt zum Beispiel die Kirchen, die Museen, der Hasportsee oder die Sandhausener Brake. Auch die Grafttherme zählt in einer deutschlandweiten Rangliste zu den besten Saunen. Es geht um Grundlagen, wie etwa Willkommensschilder an den Zufahrten in die Stadt. Es braucht auch eine vernünftige Internetseite. Mit der aktuellen Finanzkraft der Delmenhorster lässt sich die Innenstadt nicht beleben. Dafür braucht es den Tourismus. Der Neubau des Krankenhauses ist eine unglaubliche Chance. Schon in der Planungsphase lockt das Experten in die Stadt, wenn es jetzt beworben wird. Wenn die dann ihren Freunden von der schönen Graft und anderen Sehenswürdigkeiten berichten, ist das sehr wertvolle Mundpropaganda.

Frage: Was würden Sie als Oberbürgermeister anders machen?

Nuß: Die Filter der Lüftungsanlagen in Bussen und Gebäuden müssen mindestens auf den Standard H13 aufgerüstet werden. Wenn an den Landesgrenzen nicht konsequent gehandelt wird, müssen wir an der Stadtgrenze reagieren. Da bin ich mir schon mit vielen Unternehmern einig, dass wir an den Stadtgrenzen testen müssten. Ein weiterer Punkt ist der Einsatz von Ärzten und medizinischem Personal der Bundeswehr, da der Erste Stadtrat angekündigt hat, wieder die Stadtbücherei zu schließen, um ausreichend Personal im Gesundheitsamt zu haben. Da braucht es nur ein Hilfegesuch der Stadtverwaltung. Eine wichtige Frage ist auch: Warum ist Herr Jahnz in der Pandemie so abgetaucht? Er muss die Bevölkerung mitnehmen. Natürlich braucht es nicht jeden Tag eine Pressekonferenz. Aber wenn sich der OB ab und zu vom Wasserturm melden würde, gäbe es auch nicht so viele Impfgegner und Corona-Leugner, da mehr Aufklärung stattfindet.

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