Thomas Kuhnke ist der Kandidat der Freien Wähler fürs Oberbürgermeisteramt. Mit unserer Redaktion hat er über seine Positionen gesprochen.
Delmenhorst ist in diesem Jahr mit einer Menge Oberbürgermeisterkandidaten gesegnet.
Thomas KuhnkeWenn es so viele Oberbürgermeister-Kandidatinnen und -Kandidaten gibt, heißt das wohl, dass in Delmenhorst etwas nicht stimmt, es gibt anscheinend viele Leute, die Veränderungen herbeiführen möchten.
Ist Ihre eigene Kandidatur taktisch begründet oder wollen Sie wirklich ins Rathaus?
KuhnkeMeine Kandidatur ist nicht taktischer Art. Es sind unter den bekannten Kandidaten einige dabei, denen ich das Amt sehr wohl zutrauen würde. Es ist aber nicht eine oder einer dabei, von dem ich sagen würde, es würde dadurch zu Veränderungen im Rathaus kommen. Veränderungen für Delmenhorst sind aber sehr wichtig.
Wenn Sie ins Rathaus zögen, fänden Sie eine Stadt vor, die viele bauliche Veränderungen benötigt.
KuhnkeIch bin ja froh, dass noch nicht begonnen wurde, neu zu bauen. Delmenhorst steht an einem Wendepunkt. Es muss ganz genau überlegt werden, was als nächstes zu machen ist. Wir müssen das Große und Ganze betrachten – nicht, dass vorschnell etwas entsteht, was wieder nicht von großer Dauerhaftigkeit ist.
Thomas Kuhnke (57) tritt bei den Kommunalwahlen am 12. September als Kandidat der Freien Wähler fürs Amt des Oberbürgermeisters an. Der selbstständige Fotograf ist in zweiter Ehe verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
Was meinen Sie mit dem „Großen und Ganzen“?
KuhnkeLassen Sie uns auf die vergangenen drei Jahre blicken: Da war zum einen die Flüchtlingskrise, aus der die Stadt finanziell gestärkt hervorgegangen ist – wir haben vom Land Niedersachsen Millionen als Ausgleichszahlungen bekommen. Im vergangenen Jahr haben wir wegen des Diesel-Skandals auch wieder Unterstützung aus Hannover erhalten. Diese Hilfen wird es aber in Zukunft nicht mehr geben. Im Gegenteil: Corona wird seine Gelder fordern. Und dann wird es kommen, wie immer: Der Bund wird seine Lasten auf die Bundesländer abwälzen, und das Land holt sich das Geld von den Kommunen zurück. Es kommen finanzielle Zeiten auf uns zu, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Wenn wir uns als Stadt nicht überlegen, wie zusätzliche Einnahmen zu erschließen sind, wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die Steuern zu erhöhen. Delmenhorst hat jetzt schon die höchste Grundsteuer in der Region, die können wir nicht noch mal anheben. Das wäre auch deshalb kontraproduktiv, weil wir ja neue Menschen nach Delmenhorst holen wollen. Und jetzt komme ich zum Kernpunkt, was unsere Forderung ist: Delmenhorst muss sich zu einer Universitätsstadt entwickeln. Schauen Sie beispielsweise nach Vechta, die dortige Universität hat 5500 Studenten, hat 265 Dozenten, hat zig Mitarbeiter. Daran sehen Sie, dass selbst eine kleine Hochschule Geld in die Kassen Delmenhorsts spülen könnte. Es könnte auch unser Problem in der Innenstadt lösen, wir haben jahrelang versucht, die City künstlich attraktiver zu machen, dazu gehörten auch die neue Pflasterung, der Bau des Parkhauses und die Wirtschaftsförderung hat versucht, sich um Neuansiedlungen zu bemühen. Es würde viel passieren, wenn Delmenhorst Universitätsstadt werden würde. Die Stadt würde sich dann organisch regenerieren, den Wünschen der Studenten und Dozenten gemäß. Es würden sich ganz andere Unternehmen niederlassen, auch freizeitmäßig könnte etwas passieren, eine ganz andere Kultur würde entstehen.
Wie möchten Sie Ihre Vorschläge den Delmenhorstern nahe bringen und um Wählerstimmen werben?
KuhnkeZuerst eine grundsätzliche Aussage dazu: Ich bin prinzipiell dagegen, in diesem Jahr eine Wahl abzuhalten. Sowohl die Bundestagswahl als auch die Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlen sollten um ein Jahr verschoben werden. Wahlen können dieses Jahr nicht im Sinne einer erforderlichen Pandemie-Bekämpfung sein, es gilt doch Entscheidungen zu treffen, auch unpopuläre, die nicht wahltaktisch motiviert sein dürfen.
Und wenn die Wahlen dennoch 2021 stattfinden?
KuhnkeMein Wahlkampf wird themenbezogen sein. Wir fragen die Bürger, ob Delmenhorst einen Politikwechsel benötigt. Für einen solchen Wechsel setzen wir uns ein und müssen die Menschen davon überzeugen – ob in den sozialen Medien, über Ansprache in der Zeitung oder, wenn es Corona erlaubt, im Spätsommer auch über die ein oder andere Veranstaltung.
