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NWZonline.de Region Delmenhorst

Wie sieht die Zukunft des Weltraumtourismus aus?

15.11.2019
Frage: In welchem Moment wussten Sie, dass Sie Astronaut werden wollen?
Thomas Reiter: Das lässt sich nicht direkt auf einen einzelnen Moment zurückführen. Natürlich war die Mondlandung ein Schlüsselerlebnis. Aber im Vorlauf dazu gab es einige Momente, die das Feuer für dieses Thema geweckt haben. Das waren einerseits die ganzen Raumfahrtaktivitäten, die zuvor abliefen, wie die Mercury-Mission und die Gemini-Mission. Da habe ich richtig begonnen, mich für das Thema zu begeistern. Der andere Effekt, der da eine Rolle gespielt hat, war die Tatsache, dass meine Eltern das Segelfliegen als Hobby betrieben haben. Ich war mit meinen Eltern fast jedes Wochenende auf dem Segelflugplatz. Das Fliegen hat eben die Verbindung zu der dritten Dimension hergestellt.

Besuch anlässlich des Vorlesetags

Thomas Reiter war von 1992 bis 2007 ESA-Astronaut. Damit war er der achte Deutsche im All. Als die ESA 1989 nach Kandidaten für ihre Astronautengruppe sucht, war auch Reiter, ein ehemaliger Jagdbomberpilot der Bundeswehr, darunter. Reiter istheute ESA-Koordinator und Berater des Generaldirektors.

An diesem Freitag um 19 Uhr liest der Ex-Astronaut im Hanse-Wissenschaftskolleg für Junge und Junggebliebene im Rahmen des Vorlesetags. Im Anschluss findet eine Gesprächsrunde mit ihm statt.

    www.vorlesetag.de

Frage: Wie war es, zum ersten Mal die Erde aus dem All zu sehen?
Reiter: Das ist so ein Schlüsselmoment, wenn man dann erstmal als Astronautkandidat ausgewählt wird, dann steht natürlich eine lange Ausbildung mit vielen Hürden bevor. Dazu gehört neben den technisch-wissenschaftlichen Aspekten auch das Russischlernen. In der Ausbildungsphase scheint dieser Moment dann so unendlich weit weg. Wenn man dann tatsächlich in die Kapsel einsteigt, ist das schon ein tolles Gefühl. Nach der Trennung von der dritten Stufe sieht man die Erde das erste Mal von außen. Man kann’s dann gar nicht glauben. Natürlich hat man vorher schon Bilder davon gesehen, aber es mit eigenen Augen zu sehen, ist unglaublich schön. Das sind Momente, die vergisst man nie wieder.
Frage: Wenn Sie die Chance hätten, würden Sie noch mal ins All fliegen wollen?
Reiter: Ich müsste mir das nicht zweimal überlegen. Aber das hat natürlich auch seine zwei Aspekte. Auf der einen Seite der Ausblick auf unseren Planeten, auf der anderen die Tiefen des Weltraums. Die Schwerelosigkeit begeistert einen und natürlich die Möglichkeit, an so vielen Forschungsthemen aktiv mitzuarbeiten. Das hat mich wirklich beflügelt. Man weiß natürlich auf der anderen Seite auch, dass es da oben kein Zuckerschlecken ist. Aber in jedem Beruf kommt der Moment, in dem die nächste Generation nachrückt. Und die ist mit Alexander Gerst und Matthias Maurer schon da.
Frage: Den Traum, die Erde aus dem All zu sehen, haben vermutlich viele. Wie sehen Sie die Zukunft des Weltraumtourismus’?
Reiter: Das ist noch ein bisschen entfernt von uns. Es ist immer noch sehr aufwendig, jedes Kilogramm in den Erdorbit zu bringen. Das bedeutet enormen Aufwand und ist mit Kosten verbunden. Natürlich arbeiten Ingenieurinnen und Ingenieure weltweit daran, die Transportkosten zu verringern. Das wäre eine wichtige Voraussetzung dafür, dass man in Richtung Tourismus geht. Man muss sich natürlich auch im Zuge der Klima- und Umweltschutzdiskussion über die Nachhaltigkeit Gedanken machen. Wir würden uns jedoch wünschen, dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben, aus dieser Perspektive auf unseren Planeten zu blicken. Denn über eine Sache sind wir uns im Klaren: Unseren Planeten zu schützen und den Klimawandel in den Griff zu bekommen, das schafft nicht ein Land. Dieses Bewusstsein, dass die großen Probleme nur von allen gemeinsam gelöst werden können, das wird einem im All so eindringlich klar.
Frage: Beim Vorlesetag wollen Sie aus dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ vorlesen. Warum haben Sie das Buch gewählt?
Reiter: „Per Anhalter durch die Galaxis“ war jetzt nicht mein erster Gedanke. Ich dachte zunächst an „2001: Odyssee im Weltraum“. Das Buch hat mich logischerweise sehr geprägt. Der Vorschlag kam dann vom Hanse-Wissenschaftskolleg. Ich kenne „Per Anhalter durch die Galaxis“ und habe Tränen gelacht, als ich es gelesen habe. Vielleicht ist das Buch also sogar noch geeigneter als „2001: Odyssee im Weltraum“, was ein ernsteres Buch ist. Denn man möchte nicht die jungen Leute zu sehr mit technischen Details in Beschlag nehmen.
Frage: Haben Sie selbst als Jugendlicher Science-Fiction-Bücher gelesen?
Reiter: Bevor ich auf „2001: Odyssee im Weltraum“ gestoßen bin, habe ich eher populärwissenschaftliche Bücher gelesen. Ich wollte wissen, wie funktioniert das Sonnensystem, welche Planeten gibt es, was weiß man darüber. Ich gucke allerdings heute immer noch sehr gerne Science-Fiction-Filme. Das ist ganz lustig, wenn man mit dem Thema selbst zutun hat.
Frage: Was war der letzte Science-Fiction-Streifen, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Reiter: „Der Marsianer“ ist sicherlich ein sehr guter Film. Das ist zwar Science-Fiction, aber es ist zumindest auf einer Basis dargestellt, auf der es funktionieren könnte. Da sind alle Elemente drin. Wir gehen davon aus, dass wir eventuell in zwei Jahrzehnten in der Lage wären, tatsächlich Menschen zum Mars zu schicken. Das hat in dem Film schon stattgefunden.
Anna-Lena Sachs Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
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