Der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld warnte vor einseitigen Schuldzuweisungen: „Konfliktlose Gesellschaften gibt es nicht“, unterstrich Heitmeyer. Es sei entscheidend, Probleme frühzeitig zu bemerken und mit allen Seiten gleichberechtigt zu debattieren. In den Niederlanden sei es durch einen falsch verstandenen Liberalismus zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und parallelen Gesellschaftsstrukturen gekommen.
Studien machen Heitmeyer zufolge deutlich, wie Integrationshilfen gerade bei Heranwachsenden wirkten: Jugendliche mit guten Schulleistungen seien gesellschaftlich anerkannt und deshalb weniger anfällig für fundamentalistische Ideologien. Das gelte jedoch auch im umgekehrten Sinn.
Parallelgesellschaften entstehen laut Heitmeyer dann, wenn sich kulturelle Unterschiede verfestigten und Einwanderer die Sprache des Einwanderungslandes nicht erlernten. Dies fördere die Abschottung in einzelne Stadtteile und die Idealisierung der eigenen Nationalität.
Religiöse Vorschriften, die eine Distanz zur Mehrheits-Gesellschaft forderten, unterstützten solche Bewegungen. Selbstständige Rechtssysteme, die vom Staat nicht mehr kontrolliert werden könnten, seien dabei nicht mehr zu akzeptieren.
