Delmenhorst - Gelbe, violette und rote Streifen ziehen sich wie mit dem Lineal gemalt über das Bild. Was aussieht wie eine exakt gezeichnete Grafik, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als Luftbild. Riesige Tulpenfelder, aufgenommen aus vielen Höhenmetern in den Niederlanden, werden zu farbigen, geometrischen Streifen.

„At Second Glance“ – auf den zweiten Blick – ist der treffende Name einer Ausstellung von Alex MacLean aus Massachusetts, USA, die aktuell im Delmenhorster Hanse-Wissenschaftskolleg zu sehen ist. Großformatige Fotografien der Küstenregion in den Niederlanden dokumentieren die Landschaft als vom Menschen gestaltete Realität.

Von weitem wirken viele der Fotografien wie abstrakte Gemälde, auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter, was abgebildet ist – viele Aufnahmen fangen den Kontrast zwischen ursprünglicher Natur und den teils massiven Eingriffen des Menschen in diese ein. MacLean gelingt es mit seinen Luftaufnahmen, diese zwei aufeinander prallenden Welten perspektivisch eindrucksvoll herauszuarbeiten. Landschaftliche Veränderungen auch durch den Klimawandel dokumentiert der Fotograf in seinen Aufnahmen – die Bilder wirken aufrüttelnd, teils alarmierend.

Alex MacLean erforscht seit 30 Jahren Landschaften aus der Vogelperspektive. Bereits 2012 war er als „Artist in Residence“ im Hanse-Wissenschaftskolleg zu Gast, damals entstanden auch die Fotografien der Küstenregion.

„Diese Landschaft war eine große Entdeckung für mich“, berichtet MacLean, „sie zu fotografieren ist sehr aufregend.“ Jetzt geht er wieder auf Entdeckungstour und dokumentiert Veränderungen: „Es ist jedes Mal neu, und wenn man nicht sieht, was man eigentlich sucht, sieht man etwas Anderes.“

Unterstützt wird das Fotoprojekt vom Unternehmen Cewe. „Wir sind der Förderung des Kulturguts Fotografie traditionell verbunden“, begründet Vorstandsvorsitzender Dr. Rolf Hollander das Engagement. Auch die Verantwortung für die Umwelt, an die MacLean mit seinen Aufnahmen appelliert, sei für das Unternehmen von zentraler Bedeutung.

„At Second Glance“ ist bis 30. September montags bis donnerstags von 10 bis 15.30 Uhr und freitags von 10 bis 14.30 Uhr im Hanse-Wissenschaftskolleg zu sehen.