Delmenhorst - Es könnte alles so schön sein: Die Graft als Anziehungspunkt für Naherholungs-Suchende aus Delmenhorst und den Nachbargemeinden, im Innenbereich gestaltet als „Landschaftspark“, in Richtung Außengraft und Wiekhorner Wiesen als „Naturerlebnisraum“ mit einem renaturierten Delmelauf mit Nebenarmen, Grabenbiotopen und einer aufgewerteten „Mili“. Auf zwei oder drei Parzellen des Kleingartengeländes entlang der Kleinen Delme könnte Umweltbildung stattfinden, südlich der Delme eine „Volkswiese“, ein Streichelzoo und Freizeitanlagen entstehen. Alles nur ein Traum? Nicht für den Naturschutzbund. Der NABU verweist auf ein entsprechendes Planungskonzept, entwickelt und vorgelegt bereits im Jahr 2002 durch das Büro Gerdes-Röben und Giers für eine Landesgartenschau in Delmenhorst. Zur Bewerbung um die Schau ist es zum Bedauern von Architekt Friedo Gerdes-Röben nie gekommen, das Konzept für die ganzheitliche Inwertsetzung der Graft in der Versenkung verschwunden. „Die Stadtverwaltung wollte es einfach nicht“, sagt Gerdes-Röben, der noch heute den Fördermillionen nachtrauert, wäre es zu einer erfolgreichen Bewerbung gekommen.

Der NABU hat es dennoch wieder hervorgeholt, lobt es als gutes Beispiel für eine integrierte Gesamtplanung für Graft und Wiekhorner Wiesen, dem man zahlreiche Elemente für eine neue Gesamtplanung entnehmen könne. „Wir können nicht weiter in Klein-Klein machen. Es muss der große Wurf kommen“, findet die NABU-Referentin für nachhaltige Siedlungsentwicklung Margitta Spiecker. Eine entwickelte Graft sei schließlich auch förderlich für das Image der Stadt, das bekanntermaßen nicht besonders gut ist. Dass Delmenhorst verstärkt aufs Image-fördernde Merkmal „Stadt am Wasser“ setzen solle, sei auch ein Ergebnis aus dem laufenden Prozess zum Integrierten Stadtentwicklungs-Konzept gewesen, so Spiecker.

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen, über ein ganzheitliches Entwicklungskonzept für Graft und Wiekhorn nachzudenken, meint NABU-Mitglied Prof. Gerd Turowski. Nach dem Versumpfungs-Desaster sei der Leidensdruck da, endlich etwas zum Positiven zu ändern. „Der NABU meint aber, dass Planungsentscheidungen immer das große Ganze im Blick haben müssen“, sagt der Delmenhorster Raumplaner. Das Grundwasserproblem sollte also nicht isoliert betrachtet werden, die derzeitigen Bemühungen zu seiner Lösung eingebunden werden in eine umfassende Entwicklungskonzeption für die Graftanlagen und die mit ihnen naturräumlich zusammenhängenden Wiekhorn-Wiesen. Zu diesem Zweck, so Turowski, sollte unverzüglich ein Arbeitskreis eingerichtet werden, zusammengesetzt aus Vertretern von Rat, Verwaltung sowie relevanten Verbänden und bestehenden Initiativen. „Dafür stehen ausreichende Grundlagen und Vorarbeiten zur Verfügung.“ Vielleicht, sagt Turowski, könne man in einigen Jahren dann ja noch einmal über eine erfolgversprechende Bewerbung zur Landesgartenschau nachdenken.

Bei der Politik, namentlich der Umweltausschuss-Vorsitzenden Susanne Mittag und dem Planungsausschuss-Vorsitzenden Heinrich-Karl Albers, sei der NABU-Vorschlag mit Wohlwollen aufgenommen worden, berichtet Margitta Spiecker. „Sie sind sehr angetan von den Plänen und möchten das in die Politik transferieren.“