Delmenhorst - Ergriffen war Rabbinerin Alina Treiger, als sie über Erlebnisse jüdischer Familien aus der Gemeinde sprach. Zu Tränen gerührt erzählte sie von Kindern, die auch in der heutigen Zeit noch Anfeindungen ertragen müssen, nachdem sie sich zu ihrem jüdischen Glauben bekannt haben. Treiger nahm am Freitag als Gastrednerin der diesjährigen Gedenkfeier der Stadt zum Novemberpogrom teil. Gut 90 Gäste waren zu diesem Anlass ins Rathaus gekommen.
„Die meisten Sorgen als Rabbinerin in der Jüdischen Gemeinde machen mir die Kinder“, so Treiger. Viele Familien würden zu besonderen Ereignissen auf offizielle Feiern verzichten, weil ihre Mitmenschen nicht wissen sollen, dass sie jüdischen Glaubens seien, berichtete die Rabbinerin. „Ich bin beunruhigt über diese Entwicklung. Es gibt noch sehr viel zu tun. Wir müssen uns in unseren Beziehungen stärker nach außen öffnen“, forderte sie.
„Die Vertreter der drei großen Buchreligionen müssen sich näherkommen“, forderte auch Dr. Enno Konukiewitz, Vorsitzender des Evangelischen Kirchenkreises Delmenhorst. „Es tut sich viel im christlich-jüdischen Dialog und zunehmend auch im abrahamitischen Dialog“, lobte Konukiewitz.
Mahnende Worte in Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. November 1938 sprach der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, Pedro Benjamin Becerra. Er drückte seine Empörung über die Schändung des Jüdischen Friedhofes im vergangenen Jahr aus. Doch er lobte auch die Unterstützung, die die Jüdische Gemeinde anschließend von den Delmenhorster Bürgern erhalten hatte.
Nach der Gedenkfeier im Rathaus zogen gut 40 Bürgerinnen und Bürger gemeinsam zur ehemaligen jüdischen Synagoge, die den Anschlägen der Pogromnacht zum Opfer gefallen war. Auf dem Jüdischen Friedhof gedachten die Teilnehmer anschließend der Toten und legten Kränze nieder.
