Delmenhorst - Pfützen vor dem Eingang, zu schwaches Flutlicht, eine krächzende Lautsprecheranlage – von der ehemaligen Strahlkraft des Delmenhorster Stadions ist wenig geblieben. Und das ärgert Ingrid Klattenhoff. Ihr Mann war lange Vorsitzender des einstigen Delmenhorster Vorzeigevereins SV Atlas. Sie geht mit ihrem Sohn Robert Klattenhoff-Stadtsholte auch heute noch zu Spielen des gleichnamigen Nachfolgevereins.
„Alte Liebe“, nennt Robert Klattenhoff-Stadtsholte die Beziehung zum Verein. Und die rostet bekannterweise nicht. Einzig das Stadion ist marode geworden. Als es heftig regnete, berichtet Ingrid Klattenhoff, sei sie klitschnass geworden. Der Verwaltung sind Leckstellen hingegen nicht bekannt. Auf Anfrage der NWZ teilte die Stadt mit, dass das Dach vor zwei Monaten durchgesehen und ausgebessert wurde.
Laut Klattenhoff gibt es aber noch weitere Schwachstellen bei Regen. Nach einem Wolkenbruch stehe auf dem Schotterweg zum Stadion und auf der Fläche vor dem Hauptgebäude das Wasser. „Eine Seenplatte ist das dann“, sagt sie. Hier will die Stadt Abhilfe schaffen: Im kommenden Monat soll daran gearbeitet werden, dass das Oberflächenwasser besser abfließen kann, heißt es von Seiten der Verwaltung.
Jeder darf auf Hauptplatz
Ganz anders sieht es beim Flutlicht aus. Aktuell seien weder Nachrüstung noch Ersatz der Anlagen auf den Nebenplätzen geplant. Die Anlagen sollen lediglich überprüft und gegebenenfalls sollen Leuchtmittel getauscht werden. Eine Nachrüstung auf dem Hauptplatz sei aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht möglich, teilte die Stadt mit.
Direkte Leidtragende sind die Spieler von Tur Abdin. Vergangene Woche wurde ein Pokalspiel der Bezirksliga-Fußballer wegen der schlechten Lichtverhältnisse abgebrochen – bei eingeschaltetem Flutlicht. „Das Licht ist eine Katastrophe“, schimpft Edip Özcan, Sportlicher Leiter von Tur Abdin. „Auf so einer riesigen Anlage muss es möglich sein, ein Abendspiel auszutragen.“ Zwei Flutlichtanlagen gebe es auf den Nebenplätzen. „Beide kann man in die Tonne treten“, sagt Özcan.
Den Mitarbeitern der Stadt will er aber keinen Vorwurf machen. Die Sanitäranlagen seien gut, und man bemühe sich um die Plätze. Mehr Geld für das Flutlicht wünscht er sich dennoch. Was ihn außerdem stört: „Den Glanz, den das Stadion hatte, strahlt es nicht mehr aus, weil jeder auf den Platz darf.“ Früher habe die klassenhöchste Mannschaft Vorrang gehabt, wenn es um Spiele auf dem Hauptplatz ging, heute herrsche Chaos, moniert Özcan.
Die fünf Vereine, die das Stadion nutzen, kooperieren wenig. „Wir kommen nicht auf einen Nenner", meint Özcan. Das sieht Thomas Hebgen ähnlich. Der Atlas-Manager meint, es sei schwierig, geschlossen aufzutreten. Auch in Bezug auf die jährlichen Nutzungsgebühren. Rund 400 Euro pro Mannschaft zahlt Atlas für die Reinigung, etwa 300 Euro für Energie, die Rechnung für die Platzpflege sei noch nicht gekommen, sagt Hebgen. Dabei sei es egal, ob es sich um eine Herren- oder Jugendmannschaft handele.
Zaun statt Toilette
Bereits vor einem Jahr habe man Anträge aufgrund der Mängel gestellt, passiert sei nicht viel. Unter anderem ging es um die Toiletten unter der Tribüne. Die bleiben bei Spielen geschlossen, obwohl sie laut Stadt „alt aber funktionstüchtig“ seien. Es gebe genügend WC-Anlagen im Stadionheim, heißt es. Um sich den Weg dorthin zu sparen, erleichterten sich jedoch viele Männer am Zaun unter der Tribüne, sagt Klattenhoff.
Eine neue Lautsprecheranlage wird es wohl auch nicht geben – und das, obwohl selbst Oberbürgermeister Patrick de La Lanne vor dem Freundschaftsspiel von Atlas gegen die Profis von Werder Bremen Ende Mai dieses Jahres kaum zu verstehen war. Verzerrungen seien auf Fehlbedienung zurückzuführen, heißt es von Seiten der Stadt.
