Delmenhorst - Eine Baustelle in Trümmern: Es war ein Bild des Jammers, das sich einem am Donnerstag beim Neubau des Inkoop-Marktes an der Ecke Oldenburger Straße/Brauenkamper Straße bot. Kopfschüttelnde Passanten fragten sich, wie so etwas nur passieren konnte. Hinter den Absperrzäunen untersuchte eine Gruppe von Männern, unter anderem vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg, die Unfallstelle. Auskünfte zur Ursache des Unfalls konnten sie noch nicht geben. Man sei noch ganz am Anfang, sagten sie. „Da kann man im Moment wenig erkennen“, bestätigte auch Gewerbeaufsichtsamts-Chef Uwe Rottmann auf Nachfrage. Die Untersuchungen seiner Behörde konzentrierten sich auf das Gerüst. Man überprüfe, ob es entsprechend den Regeln gebaut worden sei und ob es ein Übergabeprotokoll gebe. „Die Statik des Neubaus ist nicht unser vorrangiges Thema“, so der Behördenleiter.

Am Mittwochnachmittag war – wie berichtet – beim Gießen der obersten Betonlage eine verschalte Stahlbetonwand eingestürzt. Sie hatte ein Baugerüst mit in die Tiefe gerissen, auf dem sich fünf Arbeiter aufhielten. Zwei von ihnen, ein 30-Jähriger aus Drebber und ein 32-jähriger Saterländer, wurden bei dem Unfall lebensgefährlich verletzt. Ein 48-jähriger Saterländer gilt als schwer, ein 30-jähriger Bremer als leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüfe derzeit die Aufnahme von Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen gefährlichen Körperverletzung, so deren Sprecher Thorben Tölle.

In der Nacht nach dem Unglück haben Einsatzkräfte der Feuerwehr mit schwerem Gerät und anschließend mit einem Kleinbagger noch bis etwa 24 Uhr die Unfallstelle nach möglicherweise verschütteten Personen abgesucht und dazu Trümmerteile und mehrere Tonnen Beton weggeräumt. Zum Glück wurde keine Menschen gefunden.

„Da kann man nur hoffen, dass das gut ausgeht für die Verletzten“, sagte am Donnerstag Petra Kosten, Mitglied der Inkoop-Geschäftsführung, am Telefon. „Wir wissen noch gar nichts über die Ursache.“ Wie es nun weitergehen werde auf der Baustelle, vermochte sie nicht zu sagen. „Ursprünglich hatten wir geplant, den Markt nach den Sommerferien zu eröffnen.“

Die Oldenburger Straße blieb am Donnerstag im Bereich der Unglücksstelle weiterhin gesperrt, da für die Abriss- und Aufräumarbeiten der abgesperrte Bereich benötigt wird. „Wie lange die Sperrung aufrecht gehalten wird, kann zurzeit nicht gesagt werden“, so Polizeisprecher Albert Seegers.

Mit einer rührenden Aktion sind bei der Unfallstelle zwei Delmenhorster Kinder aufgefallen, berichtet die Polizei weiter. Mit handgeschriebenen Zetteln, die sie verteilten, bedankten sich die beiden bei den Einsatzkräften und wünschten den Verletzten gute Besserung und ein frohes Fest.