• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Delmenhorst

„Uns Bulgaren will niemand haben“

27.05.2017

Delmenhorst „Seien wir doch ehrlich. Uns Bulgaren will niemand haben. Wir sind der Stadt sch... egal“, sagt ein Familienvater, der an der Zapfstelle steht. Zwei große Einkaufstüten vom Discounter hat er neben sich gestellt. In jeder Tüte befinden sich jeweils fünf leere 1,5-Liter-Plastikflaschen. Seit in der Straße „Am Wollepark“ am 15. Mai in zwei Wohnblöcken das Wasser abgestellt wurde, bekommen die Bewohner nur noch Wasser aus dem Hydranten. Gas gibt es schon seit dem 27. April nicht mehr.

Seit fünf Jahren lebe seine Familie in Deutschland, erklärt er in fließenden Englisch. Der Mann wirkt müde und zermürbt, trotzdem bleibt er freundlich. Selbst wohne er mit seiner Familie in der Nähe. Heute hilft er seiner Schwägerin beim Wasserholen. Sein Cousin habe drei Kinder: sieben Monate alt, vier und sechs Jahre alt. „Die kommen abends zum Duschen zu uns. Denn ein stinkendes Kind will ja keiner in der Schule haben.“ Genervt wird er, als er auf die Stadt zu sprechen kommt. Es sei schon länger klar gewesen, dass in der Straße kriminelle Banden am Werk seien. Dies hätten Stadt und Polizei geduldet. Jetzt auf einmal werde gehandelt, doch es treffe die Falschen. „Wir werden für etwas bestraft, was böse Menschen gemacht haben. Weil man es mit uns machen kann.“ Trotz der medialen Präsenz des Wolleparks habe sich nichts an ihrer Situation geändert. Sein Cousin suche händeringend nach einer neuen Wohnung. „Doch sobald sie hören, dass er im Wollepark gewohnt hat – Tschüss. Die halten uns für Asoziale.“

Einige Meter weiter am Hauseingang vom Block 11 steht Rosalia Rans. Die Wollepark-Bewohnerin hat eine etwas andere Sichtweise auf die aktuelle Problematik. Sie lebt seit 24 Jahren im Block. „Seit die Bulgaren zuhauf hier einquartiert wurden, ist das hier zu einer Katastrophe geworden. Es liegt auch an ihnen“, schimpft sie. „Man hätte die Bulgaren über die Stadt verteilen sollen.“ Trotzdem ist Rans sich sicher: Die Schuldigen werden nicht bestraft. Eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern steht am Hauseingang. Sie wollen sich gerade auf den Weg machen. „Was soll ich machen? Bei mir geht das den ganzen Tag so: Runterlaufen und Wasserholen, Hochschleppen und kurze Zeit später wieder von vorn“, sagt sie schulterzuckend und ausdruckslos.

An der Zapfstelle herrscht indes wieder reger Betrieb. Zwei Familienväter – samt leeren Plastik-Flaschen und Einkaufstüten zum Tragen – holen die nächsten Fuhren Wasser. „Wissen Sie, ob das Wasser wieder angestellt wird?“ „Kennen Sie eine leere Wohnung in Delmenhorst, wo wir einziehen können?“ fragen die Männer. „Die Situation ist furchtbar! Das ist schlecht für die Kinder.“

Die Stadt ermöglicht den Wollepark-Bewohnern, in der zur Notunterkunft umgestalteten ehemaligen Fröbelschule ihre Wäsche zu waschen. Davon werde aber so gut wie kein Gebrauch gemacht, so Sozial-Fachbereichsleiter Rudolf Mattern. Eine Gefährdung des Kindeswohls vermag er noch nicht zu erkennen. „Wir sind täglich dort. Nach meinem Kenntnisstand sieht es nicht so aus, dass man dort aus hygienischen Gründen einschreiten muss. Sobald wir wissen, dass da Kinder sind, versuchen wir uns ein Bild davon zu machen. Allerdings kommen wir auch nicht in jede Wohnung rein. “

Tatiana Gropius Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2003
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.