Delmenhorst/Ganderkesee - Der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen wird voraussichtlich über das ganze Jahr 2016 für einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen sorgen. Diese Prognose stellte Marion Denkmann, stellvertretende Jobcenter-Geschäftsführerin, am Dienstag bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten für den Monat Dezember im Geschäftsstellenbezirk Delmenhorst/Ganderkesee der Agentur für Arbeit auf. „Wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seine neu eingestellten Mitarbeiter erst eingearbeitet hat, werden mehr Flüchtlinge in kürzerer Zeit zu Kunden des Jobcenters werden“, sagte sie. Und weil die Neuankömmlinge erst Sprachkurse absolvieren müssten, würden sie frühestens 2017 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen können. Zudem, das sei schon jetzt zu beobachten, ändere sich die Struktur dieser Personengruppe: Nach den Hoch- und Gutqualifizierten mit Englischkenntnissen reisten nunmehr viele Menschen mit geringer Qualifikation ein. Sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren sei ungleich schwieriger.
Zur Entwicklung des Arbeitsmarktes im Dezember: Saisontypisch ist die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen. Lag die Quote im Agenturbezirk Delmenhorst/Ganderkesee im November bei 8,6 Prozent, kletterte sie im Monatsverlauf um 0,1 Punkte auf aktuell 8,7 Prozent. Das sind 4886 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 1,9 Prozent abgenommen – allerdings nur im Rechtskreis SGB III (Agentur) mit minus 112 Personen. Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) gab es keine positive Entwicklung, sondern eine nochmalige leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit um zwölf Personen.
In der Stadt Delmenhorst ist die Arbeitslosigkeit im Dezember um 79 auf 4215 Personen gestiegen. Das entspricht einer Quote von 10,7 Prozent; vor einem Jahr hatte sie sich auf 10,5 Prozent belaufen. Dennoch ist Agenturchefin Karin Kayser zumindest für ihren Bereich optimistisch: „Insgesamt startet der Arbeitsmarkt in einer robusten Verfassung ins Jahr 2016“ sagte sie. Laut Marion Denkmann würden die Jobcenter-Kunden davon leider relativ wenig profitieren: „Helferjobs werden zu wenig angeboten. Es werden vor allem Fachkräfte gesucht.“
