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NWZonline.de Region Delmenhorst

Wie ein zweiter Fall Högel verhindert werden soll

11.05.2017

Delmenhorst „Unser Ziel ist, dass sich die schrecklichen Ereignisse nicht wiederholen“, sagt Josef-Hospital-Geschäftsführer Thomas Breidenbach zur zweiten Testphase zur Einführung der qualifizierten Leichenschau, die an dem Delmenhorster Krankenhaus seit dem 1. März läuft. Mit der qualifizierten Leichenschau will das Josef-Hospital Lehren aus dem Fall des Todespflegers Niels Högel ziehen, der am ehemaligen Delmenhorster Klinikum zahlreiche Menschen um ihr Leben brachte. Ein speziell fortgebildeter externer Rechtsmediziner begutachtet verstorbene Patienten, denen ein natürlicher Tod bescheinigt wurde, und prüft die Plausibilität des Todesfalls unter forensischen Gesichtspunkten. Bereits im August 2015 startete das Josef-Hospital einen ersten freiwilligen Anlauf zur Einführung einer qualifizierten Leichenschau. Sie entsprach allerdings nicht in vollem Umfang den Bestimmungen des Bestattungsgesetzes und wurde deshalb vorerst wieder eingestellt.

Diesmal ist das Verfahren rechtskonform, dafür steht Heike Büssing, Klinische Direktorin des Josef-Hospitals, gerade. „Täglich von Montag bis Sonntag kommt ein externer Rechtsmediziner aus Bremen zu uns ins Haus und führt die anfallenden Leichenschauen durch. Das Zusammenspiel funktioniert reibungslos“, berichtet sie. Büssing betreut das Projekt federführend gemeinsam mit der Geschäftsführung sowie den Chefärzten des Hauses. Wenn Bedenken bezüglich der Todesursache auftauchen, werde umgehend die Staatsanwaltschaft bzw. die Polizei hinzugezogen. Seit Beginn der zweiten Testphase sei dies aber noch nicht vorgekommen.

„Wie lautete die Erstdiagnose, welche Therapie wurde angewandt, und gab es Komplikationen? Auf dem Totenschein steht sowas nicht“, sagt der Rechtsmediziner Prof. Dr. Michael Birkholz (Verden). Birkholz hat gemeinsam mit dem Delmenhorster Krankenhaus einen Dokumentationsbogen entwickelt, der Aufschluss über die Krankengeschichte des Verstorbenen gibt. Erst wenn in dieser Erhebung keine Auffälligkeiten festgestellt werden, erfolgt die Freigabe des Leichnams.

Aber ob man damit Högel hätte stoppen können? Dazu Prof. Dr. Michael Klintschar, Direktor der Rechtsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, laut Breidenbach „unser Bindeglied zum Justizministerium“: „Die forensische Leichenschau ist ein Mittel, um solcher Fälle Herr zu werden, aber nicht das einzige. Die Statistik ist auch ein Baustein.“ Künftig werde genau dokumentiert, in welcher Schicht es welche und wie viele Todesfälle gegeben hat und wer in dieser Schicht Dienst gehabt hat. Laut Heike Büssing hätten die Mitarbeiter des Krankenhauses keine Einwände gegen eine solche Kontrolle. Nach Angaben von Chefarzt Dr. Frank Starp, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, zählt auch die institutionalisierte Kontrolle des Medikamentenverbrauchs zu den neuen Schutzmechanismen sowie die „Morbiditäts- und Mortalitätskonferenz“. Starp: Die Todesfälle werden dort diskutiert und hinterfragt.“

Wolfgang Bednarz
Delmenhorst
Redaktion Delmenhorst
Tel:
04221 9988 3

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