Delmenhorst - Die Zahl der in Delmenhorst lebenden Flüchtlinge steigt rapide. Waren es Mitte Juni noch 380 Menschen, leben nach Angaben von Stadtsprecher Timo Frers jetzt 527 Asylsuchende in der Stadt – ein Zuwachs von 147 Personen in zwei Monaten. Für 406 Flüchtlinge hat die Stadt Unterkünfte in GSG-Wohnungen zur Verfügung gestellt, 121 Menschen sind privat untergekommen.

Weil zu erwarten ist, dass die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge mit ähnlicher Dynamik weiter steigen wird, geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die in den Haushalt 2015 eingestellten 800 000 Euro für die Flüchtlingsunterbringung nicht ausreichen werden. Bis jetzt sind in diesem Jahr laut Frers 405 000 Euro an Kosten für die dezentrale Unterbringung in GSG-Wohnungen angefallen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 brachte die Stadt 187 000 Euro für die Flüchtlingsunterbringung auf, im vergangenen Jahr 440 000 Euro. Weitere Ausgaben fielen an bzw. werden noch anfallen für die Herrichtung des Stadionheim-Obergeschosses und der Lebenshilfe-Kita „Rappelkiste“ sowie für den noch nicht begonnenen Umbau der ehemaligen Kinderklinik zu Flüchtlingsunterkünften mit insgesamt 124 Plätzen.

Die vom Land gezahlte Erstattung in Höhe von rund 6200 Euro pro Flüchtling und Jahr reicht nicht aus, um die Kosten zu stemmen. Darauf hatte Oberbürgermeister Axel Jahnz schon vor Monaten hingewiesen und erklärt, er werde sich für eine Erhöhung auf 10 000 Euro einsetzen. Inzwischen deutet sich laut Heiger Scholz, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Entspannung an. Zum einen hätten die Länder dem Bund eine Beteiligung von 500 Mio. Euro in diesem und im kommenden Jahr abgetrotzt, das bedeute 40 Mio. Euro mehr für die niedersächsischen Kommunen. Dann habe das Land in den eigenen Kassen weitere 40 Mio. Euro gefunden und schließlich habe der Bund die Rate für 2016 in dieses Jahr vorgezogen. Scholz: „Damit stehen 120 Mio. Euro mehr zur Verfügung – das macht nach den Abrechnungsmechanismen knapp 3000 Euro je Flüchtling.“