Oldenburg/Delmenhorst - Sie werben für einen „fruchtbaren Dialog mit anderen gottesehrfürchtigen Gläubigen“ und wünschen Lesern, „der Friede Gottes sei mit Ihnen“. Der in Delmenhorst ansässige Verein Islamischer Weg versteht sich nach eigenen Angaben als Vereinigung deutschsprachiger Muslime, die „ihren Beitrag zur Förderung der sozialen Gemeinschaft zwischen deutschsprachigen Muslimen untereinander und mit Muslimen der ganzen Welt leisten wollen“.

Für Farschid Ali Zahedi ist diese Selbstdarstellung ein Deckmantel. „Wer sich auf Ajatollah Khamenei beruft, ist nicht harmlos“, ärgert sich der Vorsitzende des Vereins Werkstattfilm, der in den 80er-Jahren als politischer Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist. Khamenei, der religiöse Anführer der Muslime, sei im sogenannten Mykonos-Prozess nach dem Mord an vier iranischen Kurden in Berlin 1997 rechtskräftig verurteilt worden, sagt Zahedi. „Die Mitglieder treten sanft auf, werben um Verständnis“, sagt Zahedi. „Aber in Wirklichkeit haben diese Leute als verlängerter Arm der Revolutionswächter allein in Deutschland seit den 90er-Jahren schon zwei Dutzend politische Morde auf dem Gewissen.“

Unverständlich ist es für den Exil-Iraner, dass der „Islamische Weg“ vor einigen Wochen einen Infostand in der Innenstadt aufstellen durfte. „Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Toleranz-Demo durch Oldenburg zog.“ Das Ordnungsamt habe „versagt“.

Die Stadt weist die Vorwürfe zurück: „Wir haben keine rechtlichen Eingriffsmöglichkeiten, um einen solchen Infostand zu verhindern. Meinungsäußerungen – gleich welcher Art – sind bekanntermaßen sehr stark geschützt“, erklärte ein Sprecher.

Yavuz Özoguz, Vorsitzender des Vereins, hält die Kritik für haltlos. „Wir haben in Oldenburg Briefe verteilt, die sich ausdrücklich gegen Terrorismus aussprechen“, sagte Özoguz der NWZ. „Warum sollten wir das, wenn Khamenei ein Terrorist wäre?“

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)