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Hospizdienst: „Wir begleiten das Leben“

05.07.2017

Delmenhorst Fügung oder Zufall – Monika Eberhardt nennt es Geschenk des Himmels. „Die Stelle ist mir vor die Füße gefallen und ich hab das Geschenk aufgehoben“, freut sich die Ganderkeseerin. Die 58-Jährige bereichert als dritte Koordinatorin den Hospizdienst Delmenhorst mit 20 Wochenstunden. Bereits seit dem 1. Mai arbeitet die examinierte Krankenschwester im Team zusammen mit Martina Meinken, die seit einem Jahr dabei ist, und Friederike Tiedge, die seit August 2013 im Verein als Hauptamtliche aktiv ist.

Bei einem Pressetermin hieß sie nun Oberbürgermeister Axel Jahnz als Schirmherr des Vereins willkommen: „Wir sind froh, dass wir Sie haben.“ Dieser Dank ging an alle Mitarbeiter und Ehrenamtliche.

Ehrenamt wird hier großgeschrieben

Der Hospizdienst Delmenhorst wurde am 7. Dezember 1994 gegründet. Derzeit unterstützen 90 Mitglieder den Verein, in dem 30 Personen (Hospizbegleiter, Trauerbegleiter, Vorstandsmitglieder) aktiv sind.

Eine Ausbildung zum Hospizbegleiter wird regelmäßig angeboten. Die Ausbildung umfasst 100 Unterrichtsstunden sowie eine Hospitation. Zurzeit werden fünf Frauen ausgebildet. Der nächste Kursus startet im Frühjahr 2018.

Nur die Gehälter der drei Koordinatoren werden von den Krankenkassen refinanziert. Ansonsten ist der Verein auf Spenden und das Ehrenamt angewiesen. Interessierte melden sich bei Karin Stelljes unter Telefon  04221/1 23 16 88.

25 Hospizbegleiter gibt es im Verein, 39 Menschen wurden im vergangenen Jahr von dem Verein begleitet. „Unser Arbeitsaufwand wird größer. Die Zahl der Begleitungen steigt und wir arbeiten enger mit Netzwerkpartnern zusammen“, erzählt Martina Meinken aus ihrer täglichen Arbeit. „Wir waren jetzt in der glücklichen Lage, eine dritte Koordinatorin einzustellen. Wir merken aber jetzt schon, dass auch die insgesamt 50 Stunden nicht reichen“, erläutert Vorstands-Vorsitzende Karin Stelljes.

Und auch wenn sich der Arbeitsalltag um das Sterben dreht, geht es in den hellen Räumen an der Mühlenstraße oder bei den Hausbesuchen häufig fröhlich zu. „Die Aktiven machen diesen schweren Job mit so viel Fröhlichkeit, Freude und Spaß an ihrem Tun“, erläutert Klaus Gardemann, der im Vorstand für die Finanzen zuständig ist. Auch im Trauercafé, das zweimal im Monat in den Räumen organisiert wird, geht es häufig auch fröhlich zu, wie Stelljes unterstreicht. „Wir begleiten das Leben, das letzte bisschen Leben vor dem Tod“, sagt Martina Meinken.

„Während der Begleitung sind wir in der Sterbephase selten dabei“, erklärt Stelljes. So sei sie im vergangenen Jahr von einem Mann in Dankbarkeit entlassen worden, bevor er am nächsten Tag starb. „Die Dankbarkeit ist die Motivation“, so Stelljes.

Diese Dankbarkeit hat auch die dritte im Koordinatoren-Bunde, Monika Eberhardt, schon erfahren. 17 Jahre lang war sie im ambulanten Pflegedienst tätig. Sie bildete sich als Palliativ-Pflegekraft und als Hospizbegleiterin weiter. „Ich habe die Menschen schon sehr nah begleitet. Zuhause zu sterben ist wohltuend für die Betroffenen und Angehörigen“, weiß die 58-Jährige aus ihrer Arbeit als Hospizbegleiterin.

Aber auch das Sterben zuhause geht mit Ängsten einher. Was ist, wenn etwas passiert? Wenn ich im Notfall niemanden erreiche? Diese Fragen stellen sich die Angehörigen häufig. „Es kann nicht jeder zuhause sterben. Manchmal ist eine Unterbringung auch wegen der Schmerzen nötig“, so Eberhardt. Und in solchen Fällen kommt ein stationäres Hospiz in Frage. Auch dort arbeitete die Ganderkeseerin knapp viereinhalb Jahre, bevor sie nun eine neue Aufgabe übernahm.

„Die Koordinatoren-Stelle ist Neuland für mich“, schmunzelt die gelernte Krankenschwester. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Netzwerkarbeit. Außerdem koordinieren sie und ihre Kollegen den Einsatz der Begleiter. „Wir führen Gespräche zuhause mit den Betroffenen und schauen, wer von den Ehrenamtlichen passt“, so Eber­hardt. Und sie begleiten die Ehrenamtlichen. „Nach einem Jahr habe ich eine ganz andere Wertschätzung für das Ehrenamt“, resümiert Meinken den Koordinatorin-Job.

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Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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