Delmenhorst - Seit Himmelfahrt zeigt der Zirkus Belly in Stickgras sein neues Programm – mit dabei auch der Affe Robby. Die Tierrechtsorganisation Peta meint: Der 44 Jahre alte Schimpanse lebe unter tierquälerischen Bedingungen. So müsse jede Schimpansenhaltung ein mindestens 200 Quadratmeter großes Innen- sowie Außengehege umfassen, Peta beruft sich hier auf Anforderungen des Bundeslandwirtschaftministeriums. Robby stünden derzeit rund 68 Quadratmeter zur Verfügung, so der Zirkus.
Zirkusdirektor Klaus Köhler wehrt sich gegen die Vorwürfe von Peta, er ist genervt von der ständigen Diskussion. „Eine affige Sache“, sei das. „Wenn ich Robby nicht all das hier gegeben hätte, dann wäre er gar nicht so alt geworden“, meint Köhler.
Robby habe keinen Stress, werde täglich beschäftigt und aus dem Gehege geholt. „Wir behüten und beschützen ihn, damit er kerngesund bleibt“, sagt der Zirkusdirektor. Und er schießt scharf gegen Peta: „Ich werde hier angegriffen als Tierquäler, da wird es sicherlich von meiner Seite eine Unterlassungsklage geben.“ Die Delmenhorster Amtstierärztin Nicolin Niebuhr hat am Mittwochvormittag keine Einwände gegen die Haltungsbedingungen gefunden, diese seien „in Ordnung“.
Gericht in Lüneburg: Schimpanse Robby darf im Zirkus Belly bleiben
Doch die Meinungen der Ämter sind gespalten: Das Verwaltungsgericht Lüneburg will voraussichtlich Ende 2016 darüber entscheiden, ob der Schimpanse in eine Auffangstation ziehen soll. Peter Höffken, Fachreferent bei Peta, sieht sich bestätigt. So habe das Gericht festgestellt, dass „die jetzige Haltung nicht tiergerecht ist“.
Und Klaus Köhler entgegnet: „Er ist ist in meinen Augen ein Scharlatan, der sich mit fremden Federn schmückt“, meint der Zirkusdirektor verärgert. Der Referent sei weder Wildtierexperte noch Zoologe und habe kein Wissen über Primaten.
Köhler stellt bereits Überlegungen an, Robby später mit einem ähnlich aufgewachsenen Artgenossen zusammen zu bringen. Der Zirkus Belly ist seit rund 40 Jahren Robbys Zuhause, er gehört zur Familie. „Wenn ich ihn abgebe und kurze Zeit später höre, Robby ist wegen Heimweh eingegangen – da würde mir das Herz bluten“, meint Köhler.
Aktuell plant die Aktionsgruppe Bremen vom Tierschutzverein Animals United an diesem Sonnabend eine Protestaktion gegen den Zirkus. Die Demonstration soll von 14 bis 15.15 Uhr an der Ecke Syker Straße/An der Schaftrift stattfinden.
