Delmenhorst - Tamer Sert hatte gegen Ende der Ratssitzung am Dienstag Mühe, seine Fassung zu bewahren. „Eines sage ich ganz deutlich: Ich lasse mich von niemandem unter Druck setzen. Ich lasse mir nicht drohen“, sagte der liberale Ratsherr und Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes. Zuvor hatte SPD-Ratsherr Pedro Benjamin Becerra als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Serts Richtung gesagt: „Wenn Leute Judenhasser sind und ein Kollege von uns solche Leute einlädt – das geht gar nicht!“ (die NWZ  berichtete).

Was war geschehen? Claus Hübscher, zweiter Mann hinter Tamer Sert an der FDP-Parteispitze, hatte wieder einmal mit dem Feuer gespielt und den wohl bekanntesten Delmenhorster Muslim, Dr. Yavuz Özoguz, Bruder der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden und Migrationsbeauftragten Aydan Özoguz, zu einem Vortrag über den Islam vor dem Kommunalpolitischen Arbeitskreis der FDP eingeladen. Hübscher und Özoguz verbindet eine gemeinsame Reise: Im Frühjahr 2012 besuchten sie den wohl bekanntesten Holocaust-Leugner der Welt, Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Vermittelt worden war die Audienz durch Özoguz.

Der für Mittwoch geplante Vortrag fand – wie berichtet – nicht statt. Gastronom Jens Thomsen hatte nach Intervention des FDP-Ratsherrn Axel Konrad seine Zusage, einen Raum zur Verfügung zu stellen, zurückgezogen. Er wolle keinen Ärger, sagte Thomsen. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung reißerisch über den geplanten Vortrag berichtet, Özoguz als „Islamist und Israel-Hasser“ bezeichnet. Er soll aber nachgeholt werden, das versprechen sowohl Hübscher als auch Sert. Sarkastisch schlägt Sert eine Veranstaltung in kabarettistischer Form vor, denn „erfahrungsgemäß darf man da heutzutage alles“. Ungebetene Unterstützung erfahren die Liberalen vom muslimischen Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG): „Falls die FDP keinen Ersatztermin auf die Beine bekommt, wird die BIG-Partei die Veranstaltung durchführen“, so Vorsitzender Hassan Mohsen.

Intolerante in der Maske der Gottesfürchtigen: So nennt Linke-Politiker Volker Wohnig die muslimischen Akteure. Derweil wittert Claus Hübscher in der Erklärung Becerras im Rat einen Verstoß gegen das Kommunalrecht. Und Yavuz Özoguz? Der beklagt sich in einem langen Schreiben an die jüdische Gemeinde über das ihm angetane Unrecht, um eine Seite weiter Israel einen „Verbrecherstaat“ zu nennen.