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Aktualisiert vor 2 Minuten.

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05.08.2016

Frankfurt /Main In den Sozialen Netzwerken verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Computer. Denn ob der neue Follower ein Mensch oder doch nur ein Computerprogramm ist, ist immer schwerer herauszufinden. Immer mehr sogenannte Social Bots mischen mit bei Twitter, Facebook und Co. Sie können Einfluss nehmen, polarisieren und versuchen zu manipulieren.

„Social Bots sind Fake-Accounts, die von einer Software gesteuert werden und ihre Identität verschleiern“, sagt Simon Hegelich, Professor für Political Data Science an der Hochschule für Politik an der Technischen Universität München. Der Politikwissenschaftler hat herausgefunden, dass beispielsweise ein ganzes Heer an Bots den Ukraine-Konfikt mit faschistischen Äußerungen im Internet anheizt. Dazu posteten sie auf Twitter sexistische Witze und streuten dabei immer wieder ihre Propaganda ein. „Das macht Sinn, wenn man junge Männer in der Ukraine erreichen will“, sagt Hegelich.

Wie sehr Computer-Programme in der Politik mitmischen, haben auch die Soziologen Philip Howard und Bense Kollanyi anhand des Brexit-Referendums in Großbritannien erforscht. Ihren Beobachtungen zufolge haben eine kleine Anzahl an Accounts eine große Menge an Pro-Brexit-Tweets abgesetzt. Das Problem: Viele tendenziöse Posts sorgen dafür, dass ein bestimmtes Meinungsbild oft auch in der analogen Öffentlichkeit als Fakt wahrgenommen wird.

Auch im US-Wahlkampf sind Bots aktiv. Donald Trump hat ein ganzes Heer von Followern mit Spanisch klingendem Namen, die ihn loben. Hegelich sieht darin den Versuch, unter den den hispanischen Usern, die Trump in der Vergangenheit immer wieder diskriminiert hatte, auf Stimmenfang zu gehen.

„Für 450 Dollar lassen sich 10.000 Follower kaufen“, sagt Hegelich. Er sieht in den Bots ein Risiko für die Demokratie. Die Hauptgefahr bestehe darin, dass etwa Politik, Medien oder Einzelpersonen aus den Posts der Bots eigene Entscheidungen ableiten könnten. Bots könnten so dazu beitragen, dass eine politische Stimmung kippe. „Wir sind gewohnt, dass Qualität und Quantität zusammenhängen“, sagt Hegelich. Diese Logik werde durch die Bots außer Kraft gesetzt.

Wer letztlich welche falsche Identität im Netz streut, ist schwer herauszufinden. „Das Phänomen existiert schon länger, nur gibt natürlich niemand zu, dass er großflächig die Meinung manipuliert“, sagte der Wirtschaftsinformatiker Christian Grimme unlängst in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“.

Er spricht von einem verbreiteten Phänomen. „Bots können im Wahlkampf, von radikalen Gruppen oder Terroristen, aber auch von staatlichen Organisationen oder der Wirtschaft eingesetzt werden“, sagte der Leiter des vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsprojekts „Erkennung, Nachweis und Bekämpfung verdeckter Propaganda-Angriffe über neue Online-Medien“. Wichtig für ihn: Es müsse offengelegt werden, wie Akteure im Netz unterwegs seien.

Auch die gemeinnützige Amadeu Antonio Stiftung hat einmal mit einem Social Bot auf Twitter experimentiert. @nichtsgegen schaltete sich immer dann in Form eines automatisierten Tweets ein, wenn jemand eine Aussage über den Kurznachrichtendienst verbreitete, die antisemitisch sein könnte. Der Bot sollte Menschen auf Alltags-Antisemitismus aufmerksam machen und verlinkte auf eine Homepage, die über die gängigsten antisemitischen Ressentiments aufklärte.

Das sah dann zum Beispiel so aus: „Du twitterst eventuell Antisemitisches. Infos:http://tinyurl.com/ngjwahrejuden #nichtsgegenjuden“, vermeldete der Bot auf einen Tweet eines Nutzers, der unter anderem schrieb: „Juden lügen“.

Im September 2015 nahm der Algorithmus seine Arbeit auf - nach nur vier Wochen war Schluss. Twitter habe dem Account nach vielen Beschwerden die Schreibrechte entzogen, sagt Johannes Baldauf von der Stiftung. „Viele Leute haben sich durch den Bot auf die Füße getreten gefühlt - das wollten wir ja auch.“ Er sei aber zu oft auch auf Äußerungen angesprungen, die nicht antisemitisch waren. Für die Stiftung ist deswegen klar: Bevor der Bot nächstes Jahr wieder intervenieren soll, „müssen wir erst noch einmal an der Technik schrauben.“

Bots wie diese sind transparent. Die Mehrzahl aber seien schwer zu erkennen, würden immer professioneller und menschenähnlicher, sagt Hegelich. Eines sei sicher: „Überall, wo Themen große Aufmerksamkeit erregen, sind Social Bots zu finden“.

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