BERLIN/DESSAU - Kein Zweifel: Online sein und die Umwelt schonen, das kann Hand in Hand gehen. Wer gezielt in Webshops kauft, statt mit dem Auto erst einmal Läden abzuklappern, spart unter Umständen eine Menge Benzin. Aber das ist nur eine Seite der Medaille – deren andere vielen Nutzern nicht bewusst ist: Das Netz hat enormen Energiehunger und belastet Umwelt und Klima.

Die „Hotspots des Energieverbrauchs“ seien die Rechenzentren der Anbieter, die für die Netzinfrastruktur zuständig sind, sagt Siegfried Behrendt vom Institut für Zukunftstechnologien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin. Rund die Hälfte der Energie verschlinge die Kühlung der Rechnerparks.

Hinzu kommt der Stromverbrauch privater Nutzer. „Hochgerechnet hatten 2007 alle informations- und kommunikationstechnischen Geräte in Deutschland zusammen einen Verbrauch von 55 Terawattstunden“, sagt Behrendt. „Das entspricht zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs.“ Private Anwender werden dann zum Teil des Problems, wenn sie sich online treiben lassen und ohne eigentliches Ziel mal hier, mal da klicken. Bei jeder Google-Anfrage wird Energie verbraucht, erläutert das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau – die Summe macht es. Die Experten raten, Suchmaschinen gezielt zu nutzen, um schneller zur

gesuchten Info zu gelangen.

An intelligenten Ansätzen, das System Internet auch auf der Ebene der Rechenzentren auf Energiediät zu setzen, fehlt es nicht. So wird in manchen Zentren die Wärme zum Heizen von Büro- und anderen Räumen genutzt, sagt Markus Schaffrin vom Branchenverband eco in Köln.

Doch der Energieverbrauch internetfähiger Geräte wird laut Behrendt immer größer – auch weil das mobile Web immer wichtiger wird. „Schätzungen sagen voraus, dass der Verbrauch bis 2020 noch einmal um 20 Prozent steigen wird.“

Das UBA rät zum schnellen Surfen, also zu DSL-Verbindungen mit hohen Datenübertragungsraten. Die heruntergeladenen Dateien sollten nach Angaben des UBA nicht unbedingt auf CD oder DVD gebrannt werden – das würde zusätzliche Energie und Rohstoffe kosten. Und: Nicht jede E-Mail müsse auf Papier ausgedruckt werden.

„Erhebliches Einsparpotenzial“ hat laut Behrendt der Trend zum Cloudcomputing – obwohl er für eine Zunahme des Datenflusses sorgen wird. Doch wird zum Beispiel Software nicht mehr auf Rechnern von Nutzern installiert, sondern eben über die Cloud, also online, verfügbar gehalten. Dann reichten „schlankere“ Computer aus, die weniger Energie verbrauchen.

www.izt.de

www.umweltbundesamt.de

www.eco.de