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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

Darum leben Lesben und Schwule gern in Oldenburg

27.05.2015

Oldenburg Oldenburger lieben ihre Stadt aus vielen Gründen. Das schmucke Stadtbild, viel Grün, nette Kneipen und reichlich Kultur sind nur einige. Schwule und Lesben schätzen an Oldenburg aber noch ganz andere Seiten. Dazu zählt vor allem die Möglichkeit, ganz normal und ohne Angst zu leben, was auch lange nach der weitgehenden rechtlichen Gleichstellung noch lange nicht überall in Deutschland selbstverständlich ist. Und im Rest der Welt schon gar nicht.

Wie eng die Bande zwischen der Huntestadt und ihren Homosexuellen ist, zeigt sich jedes Jahr beim Christopher Street Day, der in diesem Jahr am 20. Juni zum 21. Mal ein buntes Zeichen setzt gegen Diffamierung und Diskriminierung. Aber auch jenseits der Demo ist Oldenburg für Homosexuelle anziehend. Schwule schwärmen gar, die Stadt sei ein „Eldorado.“ Wir haben uns umgehört, was Oldenburg für LGBT (Lesben, Schwule Bisexuelle, Transgender), wie die Szene sich selbst nennt, so reizvoll macht.

Volle Unterstützung durch die Stadt

Oldenburg ist eine inklusive Stadt – und lebt das auch. „Wir bekommen volle Unterstützung und können uns vertrauensvoll an öffentlichen Stellen wie Polizei oder Ordnungsamt wenden“, sagt Kai Bölle, Pressesprecher des Christopher Street Day Oldenburg. Der CSD sei als gleichberechtigte Veranstaltung akzeptiert. Das zeige sich auch daran, dass die offizielle Pressekonferenz für den CSD am 21. Mai im Rathaus stattfinden wird. „Da muss man lange suchen, bis man das in einer Stadt findet“, so Kai Bölle. Auch Entertainerin Annie Heger, seit sieben Jahren federführend im CSD-Organisationsteam mit dabei, hat nur positive Erfahrungen gemacht: „Wir haben den Zuspruch von ganz vielen Ratsmitgliedern“.

Als Zeichen für den Anspruch, eine Stadt ohne Ausgrenzung zu sein, hat Oldenburg 2014 die Charter der Vielfalt unterzeichnet, eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen.

Keine Angst vor blöden Sprüchen

Zu den Städten, in denen Schwule bestimmte Ecken lieber meiden, gehören Dresden und Schwerin. Blöde Sprüche oder Schlimmeres lassen Vorurteile und Ablehnung spüren. Ganz anders in Oldenburg. „Szenetreffpunkte wie der Club ,Babylon‘ oder das Lesben- und Schwulenzentrum sind zwar weiter gut besucht. Sie sind aber nicht mehr so notwendig wie früher“, sagt Kai Bölle. „Wir brauchen keine Schutzräume mehr.“

Was habt ihr für Erfahrungen? Wie fühlen sich Homosexuelle in Oldenburg oder umzu? Ist das Leben hier wirklich so unproblematisch, sind die Oldenburger tatsächlich so tolerant? Wir freuen uns, wenn ihr uns schreibt, egal ob lesbisch, schwul, trans oder hetero. Schickt uns eine Mail an red.online@nordwest-zeitung.de, Stichwort: Homosexuell in OL.

Als er 2001 nach Oldenburg zog, sah das noch anders aus. „Ging man damals Händchen haltend durch die Wallstraße, gab es von jedem zweiten Tisch komische Blicke.“ Heute sei das bedenkenlos möglich. Dem stimmt Claas Hüer zu, der seit 20 Jahren in Oldenburg lebt und bei der AIDS-Hilfe arbeitet: „Die Oldenburger sind einfach ein toleranter Menschenschlag.“

Wie besonders die Situation in Oldenburg ist, hat Annie Heger erfahren, als sie eine Freundin am Bahnhof abholte. Die war ganz hin und weg, wie viele Frauen ihre Freundinnen und Männer ihre Freunde abholten. Was Oldenburger eher gar nicht oder zumindest nicht als ungewöhnlich wahrnehmen, ist für Auswärtige durchaus bemerkenswert.

Die passenden Worte: Wie man über Lesben und Schwule spricht

Kaum Nährboden für Homophobie

Für den entspannten Umgang der Oldenburger mit Lebensformen jenseits der Norm hat Annie Heger eine plausible Theorie mit zwei Aspekten: 1. Die Menschen hier sind gebildet, und je höher die Bildung, umso weniger Homophobie, also Diskriminierung von Lesben und Schwulen. Diese Einschätzung spiegelt sich auch im diesjährigen CSD-Motto: „Achtung! Bildung gefährdet Ihre Homophobie!“ 2. Die Menschen hier sind zufrieden. Und wer mit seinem eigenen Leben zufrieden ist, kann andere Lebensformen viel besser akzeptieren, „hegt weniger Brass“.

LINK: Infofilm zu Homophobie der Bundeszentrale für politische Bildung

Als gebürtige Ostfriesin weiß Annie Heger: In ländlichen Regionen hört die Gelassenheit ganz schnell auf. Da scheint Suizid mitunter der letzte Ausweg, weil das Umfeld und die Angst davor Homosexuellen das Leben zur Hölle macht. Vor kurzem erst habe sich ein junger Schwuler in Ostfriesland das Leben genommen. Die Betroffenheit in seinem Umfeld sei riesengroß gewesen, so Heger.

Kontakte knüpfen leicht gemacht

Im Vergleich zu anderen Städten bietet Oldenburg zahlreiche Anlaufstellen für Lesben und Schwule. „Man findet schnell Anschluss, und das Schöne ist, dass viel ehrenamtlich organisiert wird, beispielsweise die Schwulen- und Lesbenpartys im ,Alhambra‘ oder das ,Hempels‘, das Kneipencafé des Lesben- und Schwulenzentrums“, sagt Claas Hüer. Niedersachsenweit sei das Angebot für Homosexuelle in Oldenburg Spitze (kleine Auswahl siehe Infokasten links unten).

Unterhaltung oder Unterstützung – wer als Lesbe, Schwuler, Bisexueller oder Transgender in Oldenburg Kontakt sucht, wird ihn finden: Lokale wie „Babylon“ und „Zwitscherstübchen“, die „Club Sauna K 13“, das Lesben- und Schwulenzentrum des „Na und“ und das „Queer Café“ des Schwulenreferats der Universität sind nur einige der beliebten Treffpunkte.

Weitere Anlaufstellen sind die AIDS-Hilfe Oldenburg und „Homophilias“ , ein Verein, der sich die Förderung der psychischen und körperlichen Gesundheit von Lesben und Schwulen zum Ziel gesetzt hat.

Was die Szene aktuell alles bietet, berichtet alle zwei Monate das Magazin „Rosige Zeiten“.

Arbeitswelt aufgeschlossen

Das Coming-out am Arbeitsplatz ist auch in einer toleranten Stadt wie Oldenburg noch lange nicht selbstverständlich. „Das ist ein großes Thema. Nur 50 Prozent der Arbeitnehmer outen sich, die anderen haben Angst vor Diskriminierung“, sagt Claas Hüer. Aber es gibt Unternehmen, die Mut machen. Neben dem per se toleranten Uni-Umfeld und der Stadtverwaltung nennt Kai Bölle die Oldenburgische Landesbank, bei der er als Kommunikationstrainer arbeitet. Die „Charter der Vielfalt“ haben neben der Stadt auch der Verein „Arbeit und Bildung“, das Informationstechnik-Unternehmen BTC AG, die Interkulturelle Arbeitsstelle IBIS und die Winter Medienberatung unterzeichnet.

Gibt es weitere positive Beispiele, die eine Erwähnung wert sind? Gerne berichten wir über Menschen, die positive Erfahrungen am Arbeitsplatz gemacht haben (siehe Infokasten rechts oben).

Toleranz macht Schule

Einen erfreulichen Trend macht Claas Hüer an den Schulen aus. „An immer mehr Schulen ist es kein Problem, wenn sich Schüler zu ihrer Homosexualität bekennen, ein gutes Beispiel ist die Helene-Lange-Schule.“ Diedrich Smidt, Leiter der IGS, bestätigt das. „Ich weiß, dass es bei uns sowohl unter den Schülern als auch unter den Lehrern unterschiedliche sexuelle Orientierungen gibt. Ich will das aber gar nicht weiter thematisieren, um dem nicht den Anstrich des Besonderen zu geben. Das sollte doch ganz normal sein.“

Die zunehmende Aufgeschlossenheit gegenüber sexueller Vielfalt zeige sich auch am Erfolg der jährlich stattfindenden Jugendfilmtage Oldenburg (NWZ-Bericht aus 2014), meint Claas Hüer. Mit den Filmtagen bringen die Oldenburgische Aids-Hilfe, die Beratungsstelle „pro familia“ und das Casablanca-Kino jungen Menschen sensible Themen wie Liebe, Sexualität und Aids nahe.

Vielfalt für Filmfans

Die „Na und“-Gruppe Rollenwechsel bietet Kino (nicht nur) für Lesben und Schwule. „Queere Filme sind immer noch, wenn sie nicht voll den Klischees oder den üblichen Hollywoodregeln folgen, selten im Kino zu sehen“, so die Veranstalter. Daher zeigen sie einmal im Monat in Kooperation mit dem Cine K in der Kulturetage, was die Filmwelt jenseits der Blockbuster in Sachen Liebe zu bieten hat.

Seit Jahren fester Bestandteil im Rahmenprogramm des Christopher Street Day ist die CSD-Filmrolle. Am Dienstag, 16. Juni, gewähren verschiedene Filme Einblick in die lesbische Lebenswirklichkeit, am Donnerstag, 18. Juni, stehen schwule Männer im Mittelpunkt.

Rote Karte für Diskriminierung im Sport

Auch auf sportlicher Ebene machen sich Oldenburger gegen Homophobie stark. Der Verein „Vereinsfußball für Alle“ (VfB e.V.) setzt sich ein für ein diskriminierungs- und gewaltfreies Miteinander im (Fan-)Umfeld des VfB Oldenburg. „Wir haben einiges erreicht“, sagt Vorstand Jan Krieger, zum Beispiel, wenn es um homophobe Beleidigungen im Stadion geht: „Wenn ein Fan einen Spieler als ,Schwuchtel‘ beschimpft, drehen sich schon ein paar andere Fans nach ihnen um.“ Mit mahnenden Blicken.

Dass die Fanszene in Oldenburg Signale setzt, sieht Krieger als positiv. Dennoch: Auch hier gibt es bisher keine bekannten Fälle von Coming-outs aktiver Spieler – wie in allen Fußball-Ligen. Krieger ist sich nicht sicher, ob schwule Spieler vor allem Angst vor der Reaktion der Fans haben. Oder hält sie die Angst vor der Reaktion der eigenen Mannschaft vor einem Coming-out zurück? „Vielleicht befürchten sie, dass das Team ihre Homosexualität als Schwäche oder Unmännlichkeit auslegen würde.“

Irmela Herold
Redakteurin
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2152
Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2155

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