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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

Fairphones: Umweltbewusst unterwegs – und das ohne Google

20.06.2020

Berlin Der Verzicht auf Apps und Dienste von Google wurde bei den neusten Spitzen-Smartphones des chinesischen Huawei-Konzerns von den USA erzwungen. Andere Hersteller wie Fairphone verzichten zumindest bei bestimmten Modellen ganz freiwillig auf die Google-Dienste im Android-Betriebssystem. Schließlich gibt es etliche Verbraucher, die mit ihren Smartphones nicht Teil des weltumspannenden Google-Universums sein wollen.

Bislang setzte der niederländische Hersteller Fairphone, der sich an besonders umweltbewusste Kundschaft richtet, in seinen Mobiltelefonen ausschließlich das gewöhnliche Android-Betriebssystem inklusive aller Google-Dienste ein. Zwar kann man den Großteil dieser Übertragungen in den Tiefen der Google-Einstellungen einschränken, eine vollkommene Google-Abstinenz erreicht man dabei aber nicht.

Android-Alternative für Google-Skeptiker

Für die Google-Skeptiker hat die Firma nun ein Modell ohne Google-Dienste im Programm, das Fairphone 3 mit dem Betriebssystem „/e/“. Fairphone preist „/e/“ als Open-Source-Betriebssystem an, das eine Umgebung biete, um von vornherein die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Und tatsächlich bleiben hier die Nutzerdaten auf dem Smartphone sowie in der Cloud standardmäßig privat. Es finden keine unerwünschten Datenflüsse statt. Nebenbei sparen die Anwender auch Batteriestrom und Bandbreite, weil das Smartphone nicht ständig Kontakt mit Servern diverser Werbedienstleister aufnimmt.

Praxistauglich mit kleinen Abstrichen

Doch wie kommt man ohne die Google-Dienste zurecht? Im Praxistest klappt das erstaunlich gut. Bei manchen Funktionen wie Bildverwaltung, Tastatur und Datei-Browser hat man es mit den vertrauten Standard-Android-Komponenten zu tun. Statt Google Maps wurde die Anwendung MagicEarth von General Magic vorinstalliert. Alternativ kann man gängige und leistungsstarke Karten-Anwendungen wie Here installieren. Bei anderen wichtigen Apps gelang es der „e Foundation“ ebenfalls, brauchbare Alternativen zu finden. Kleinere Abstriche muss man bei der Kamera-App machen. Zwar kann man auch HDR-Aufnahmen und Panorama-Bilder machen, allerdings bietet die Software keine KI-Unterstützung für spektakuläre Nachtaufnahmen oder Porträtfotos mit künstlich unscharf gestelltem Hintergrund.

Ein eigener App-Store

Apps werden beim „/e/“-Fairphone-Modell nicht wie bei herkömmlichen Android-Geräten aus dem Google Play Store installiert, sondern aus einem eigenen Store der „e Foundation“, dem „e Store“. Hier findet man auch populäre Apps wie Facebook, Whatsapp und Instagram, obwohl diese als Datenkraken verschrien sind. Ob auf dem Fairphone 3 mit „/e/“ die offizielle Corona-Warn-App des Bundes laufen wird, ist derzeit noch unklar. Google hat die Programm-Schnittstelle (API) für die erweiterte Nutzung des Bluetooth-Funks zur anonymen Erfassung von Kontaktsituationen nicht als Update von Android zur Verfügung gestellt, die auch Anwender der offenen Android-Varianten nutzen können. Um nicht auf eine Kooperation mit den Hardware-Herstellern angewiesen zu sein, wählte der Konzern seine Google Play Services als Vehikel, um die API bereitzustellen.

Modular aufgebautes Fairphone

Unterm Strich kommt man mit der Software der „e Foundation“ erstaunlich gut zurecht. Etwas weniger Begeisterung weckt die Hardware: der Mittelklasse-Prozessor Snapdragon 632 von Qualcomm, eine Zwölf-Megapixel-Kamera mit 4K-Videofunktion auf der Rückseite und eine Acht-Megapixel-Selfiekamera auf der Frontseite. Dafür sind die Geräte modular aufgebaut und können ohne künstliche Hindernisse repariert werden. Sie sollen möglichst ohne Ausbeutung von Mensch und Natur produziert werden. Beim aktuellen Modell verbaut Fairphone nach eigenen Angaben verantwortungsvoll und konfliktfrei gehandeltes Zinn und Wolfram, recyceltes Kupfer und recycelten Kunststoff sowie Fairtrade-Gold. Diese Anstrengungen schlagen sich auch im Preis nieder. Fairphone verlangt für das Modell 3 mit „/e/“ 479 Euro deutlich mehr als etwa Einsteiger-Smartphones von Huawei kosten.

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