• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

Frei wie einst im Baumhaus

24.09.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T13:49:03Z 280 158

Gesellschaft:
Frei wie einst im Baumhaus

Bielefeld Jugendliche wünschen sich Freiräume, vor allem frei von Eltern. Die Räume haben sich aber geändert, sagen Experten: nicht mehr Baumhaus sondern Smartphone und Internet. Kontakte pflegen, Beziehungen knüpfen, aber auch Cybermobbing und Internet-Pornos – über Chancen und Risiken der digitalen Medien für die jungen Menschen diskutieren an diesem Dienstag rund 120 Experten in Bielefeld. „On&Off – Liebe, Sex, Freundschaft und digitale Medien“ heißt die Fachtagung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur.

Was ist anders als früher? „Grundlegend hat sich nichts verändert“, sagt die Pädagogin und Soziologin Dagmar Hoffmann. Sexuelle Orientierung entwickeln, Beziehungen aufbauen und pflegen seien nach wie vor zentrale Angelegenheiten der Jugendlichen. „Nur das Wie ist anders durch die erweiterten Kommunikationsräume“, betont die Professorin aus Siegen.

Die Medienpädagogin Olivia Förster vom Verein Blickwechsel sagt: „Früher hing man stundenlang an der Strippe. Damals hörten die Eltern oft mit, weil das Telefon im Wohnzimmer stand. Heute kann man im Auto mit den Eltern sitzen und mit der Freundin hin und her simsen, ohne dass die Eltern etwas mitbekommen. Der Rückzugsort ist oft nicht mehr im Baumhaus, sondern im Netz.“

Egal, wo die Jugendlichen sind, sie können sich leicht, schnell und kostengünstig austauschen, ständig in Kontakt bleiben, sagt Olivia Förster. „Jugendliche können im Netz unterschiedliche Rollen ausprobieren. Das ist wichtig zur Identitätsfindung.“

Zugleich hat das Netz aber auch Tücken: Eine ist, „dass so viele übers Internet bei diesem Ausprobieren zugucken“, sagt Förster. „Setzt der Freund den Beziehungsstatus auf Single, erfahren es neben der Freundin auch die 516 Freunde, von denen einige sicherlich eher Fremde sind.“

Die Leichtigkeit, mit der das Thema Sexualität online behandelt wird, endet oft bei der echten Begegnung, so die Feststellung der Sexualpädagogen Reinhard Brand und Inge Thömmes: Die Jugendlichen schreiben sich intimste Dinge über Facebook, im wirklichen Leben herrscht dann aber oft große Verunsicherung. Und das Wissen über Verhütung und über den eigenen Körper sei nicht größer als früher.