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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

So leben wir in der Zukunft

22.08.2018

Oldenburg „Smart Living“ oder „Smart Home“ sind Schlagworte, die mehr und mehr den Alltag von Millionen beschreiben. Amazon Echos und die Sprachassistentin Alexa sind schon in vielen Haushalten heimisch geworden. Ihr Einsatz beschränkt sich häufig auf das Abspielen von Musik oder von Nachrichten, aber möglich ist noch viel mehr.

Bastian Wilkat. Bild: EWE

Bastian Wilkat (31) aus Hude beschäftigt sich beruflich als Investment Manager bei der EWE, aber auch privat und in seinem Podcast „Der Flaneur“ ausgiebig mit der Digitalisierung und technischen Trends. Im Interview mit NWZonline gab er einen Ausblick auf das Leben in der Zukunft.

Frage: Herr Wilkat, schon heute sprechen mehr und mehr Menschen mit „Alexa“, steuern so ihre musikalische Begleitung oder stellen den Wecker ein. Gehört die Zukunft den Sprachassistenten?
Wilkat: Ich glaube, wir werden sehen, dass „Voice“ – also die Sprachsteuerung von Geräten – die dominante Technologie der nächsten Jahre werden wird. Sie wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren andere Dinge zum Verschwinden bringen: zum Beispiel Fernbedienungen oder Displays.

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Frage: Das heißt: Es wird mehr gesprochen im Haus, auch wenn man alleine ist?
Wilkat: Ja. Wir werden mehr ins Reden kommen und darüber Rollläden, Licht oder die Heizung steuern. Wichtig ist, dass es ein wirklicher Nutzen generiert wird – dann wird Sprachsteuerung auch zum „Mainstream“. Aber auch das muss nicht von Dauer sein. Schon heute können bestimmte Funktionen allein durch Gehirnströme gesteuert werden – was besonders Menschen mit Behinderung nutzt. Wird das auch außerhalb medizinischer Anwendungen zum Trend, könnte „Voice“ als dominante Technologie wieder abgelöst werden.
Frage: Welche Funktionen könnten die Sprachassistenten der Zukunft noch bieten?
Wilkat: Wie gesagt, es kommt auf den persönlichen Nutzen an, den muss jeder für sich selbst finden. Und es wird immer mehr Skills geben, die diesen Nutzen liefern können. Die Technik dahinter wird immer inklusiver, also einfacher zu bedienen. Mit ein paar Klicks und ohne Programmierkenntnisse können sich Laien inzwischen schon einen Skill für Alexa bauen.

Smart Home: Was sich alles mit der Stimme steuern lässt:

Frage: Im „Zuhause 18“ der EWE bekommt der Bewohner Meldungen aufs Smartphone, wenn sich jemand außerplanmäßig im Haus bewegt. Wie hilft das smarte Wohnen der Zukunft beim Thema Sicherheit?
Wilkat: Es ist denkbar, dass die Gesichtserkennung eine größere Rolle spielt. Nimmt eine Sicherheitskamera Bilder einer Person im Garten auf, könnte automatisch erkannt werden, ob es sich um einen potenziellen Einbrecher handelt, da sein Gesicht dem System nicht bekannt ist. Dann könnte automatisch ein Alarm ausgelöst werden.
Frage: Aber es könnte ja auch der Briefträger sein…
Wilkat: Interessanterweise gibt auch jetzt schon Lösungen für dieses Problem: Ob wirklich eine Gefahr vorliegt, könnten im Zweifel wieder Menschen entscheiden. In den USA gibt es Anbieter, die Sicherheitskräfte angestellt haben, die sich die Überwachungsbilder der Kamera anschauen und dann darüber entscheiden, ob eine Gefahr vorliegt oder nicht. Sie würden dann gegebenenfalls die Polizei rufen.
Überwachungskameras an Häusern sind nichts Neues. In Zukunft könnten die Bilder automatisch verwertet werden und einen Notruf auslösen – oder ein privater Wachdienst entscheidet alles Weitere. Foto: dpa
Frage: Hat das Standard-Haus der Zukunft eigentlich noch einen Briefkasten?
Wilkat: Ich glaube, dass der Briefkasten höchstens noch ein Überbleibsel sein wird… Ein Haus wird vielmehr eine eigene, nicht fälschbare Identität bekommen. Diese könnte dann auf einer Blockchain liegen – was auch das Katasteramt überflüssig machen würde. Und diese Identität wäre dann auch Dreh- und Angelpunkt jeglicher Kommunikation, von Bezahlungen und Datenaustausch – zugänglich über das Smartphone oder den Sprachassistenten.
Frage: Welche Rolle könnte die Blockchain beim Wohnen in der Zukunft noch spielen?
Wilkat: Überall dort, wo Daten anfallen, kann eine Blockchain den Zugriff und die Nutzung günstig steuern. Konkret wäre denkbar, dass Zugangsberechtigungen ins Haus dort abgelegt werden, wenn jemand seine Wohnung während des Urlaubs untervermieten möchte. Zusätzlich zur Kaution, die zum Bezahlen eventuell aufgetretener Schäden genutzt werden kann. Der Untermieter greift dann mit dem Handy auf die Berechtigung zu und öffnet so die Tür.

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Frage: Der Schlüssel hätte also ausgedient…
Wilkat: Den könnten die Bewohner sogar ständig mit sich führen: unter der Haut. Schon heute lassen sich Menschen kleine, reiskorngroße Chips in die Hand einpflanzen. Darauf sind kleine Mengen an Daten in Form von Text, der wiederum über einen Scanner ausgelesen werden kann. Ein Arzt zum Beispiel erfährt so im Notfall die Blutgruppe. Der Chip kann aber auch Türen öffnen oder als Ticket auf Bahnreisen genutzt werden. In Schweden gibt es schon einige Tausend Menschen, die das so machen.
Wenn die eigene Hand der Türschlüssel ist: Der Chip wird ausgelesen – und schon öffnet sich die Tür. Foto: Ole Spata/dpa
Frage: Das dürfte in den Ohren vieler Menschen gruselig klingen.
Wilkat: Man muss das pragmatisch sehen. Ob ich den Chip im Smartphone am Körper trage oder direkt unter der Haut, ist kein großer Unterschied. Und im medizinischen Bereich ist es auch heute schon völlig normal, Technologie mit Organischem zu verknüpfen, zum Beispiel als Herzschrittmacher oder als Prothese.
Frage: Und was ist mit Robotern? Wer sich früher Gedanken über das Leben in der Zukunft gemacht hat, hat außer fliegenden Autos wahrscheinlich an sie gedacht.
Wilkat: Roboter können bislang nur einzelne Dinge. Die können sie dann oft besser als Menschen, aber als Generalist ist der Mensch nach derzeitigem Stand unschlagbar. Wir werden also weniger einen Universalroboter im Haus haben als viele kleine Helferlein. Als Rasenmäher oder Staubsauger sind Roboter ja jetzt schon im Einsatz. In Japan ist der kleine weiße Roboter „Pepper“ schon zum Teil so mancher Familie geworden. Und ein flauschiger Robben-Roboter, der auf Berührungen reagiert, macht ältere Menschen glücklicher.

Wie der Roboter „Pepper“ in Japan genutzt wird:

Frage: Das Auto in der Garage des Hauses könnte in 10 bis 15 Jahren vermutlich schon von selbst fahren. Holt es dann auch die bestellte Pizza ins Haus?
Wilkat: In Ballungsräumen dürften eher Drohnen durch die Luft fliegen, die Waren transportieren. Auf Häuserdächern könnten sie zwischenlanden und aufladen – wofür die Hausbesitzer wiederum bezahlt würden. In kleineren Städten wie Oldenburg ist das aber durchaus vorstellbar. Allerdings gilt es hier, die Kommunikation der Akteure, also der Menschen bzw. Autos, untereinander zu verbessern. Wenn ich mein Auto also zum Pizza holen schicken möchte und zwei Häuser weiter hat der Nachbar ein ähnliches Ziel, sollte der Nachbar informiert werden und zusteigen können. Ansonsten wäre wieder ein Auto mehr auf der Straße unterwegs und würde gegebenenfalls Abgase in die Luft blasen – denn im jetzigen Tempo werden wir in Zukunft vermutlich noch viele Verbrenner haben…
Christian Schwarz
Redakteur
Online-Redaktion
Tel:
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