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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

So lernen deutsche Soldaten das Drohnen-Fliegen

01.03.2015

Jagel Beim virtuellen Anflug auf Masar-i-Scharif in Afghanistan bleibt der schwarze Joystick unberührt. Der Bundeswehrsoldat drückt vor seinem Bildschirm schlicht auf einen Knopf. Dann setzt die israelische Drohne „Heron 1“ zur Landung an. „Beim ersten Mal war die Landung als gelernter Phantom-Pilot sehr gewöhnungsbedürftig“, sagt der 30-Jährige, der seinen richtigen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen will. Der Hauptmann nennt sich selbst Frank König. Gemeinsam mit acht weiteren Soldaten hat er die Drohnen-Ausbildung in den vergangenen Monaten in Schleswig-Holstein und Israel abgeschlossen. Im Frühjahr wird er während seines ersten Auslandseinsatzes Aufklärungsdrohnen fliegen - in Afghanistan.

König gehört dem taktischen Luftwaffengeschwader 51 Immelmann im schleswig-holsteinischen Jagel an. Es ist spezialisiert auf die be- und unbemannte Aufklärung. Sein Ausbilder im Schulungsraum der Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne verfolgt jeden Tastendruck des Piloten genau. Auch der 43-Jährige will seinen Namen nicht nennen. Mit mehr als 500 Einsatztagen ist er Deutschlands erfahrenster Drohnen-Pilot, in Militärsprache Aerial Vehicle Operator (AVO). Bereits zehnmal hat er im Afghanistan-Einsatz das knapp 1,2 Tonnen schwere Fluggerät mit einer Flügelspannweite von 18 Metern gesteuert. Früher flog er Tornado-Jets.

„Grundsätzlich ist der Unterschied gar nicht so groß“, sagt der Ausbilder. Während einem Tornado-Piloten aber nur wenige Stunden zur Erledigung seiner Aufklärungs-Einsätze bleiben, ist die Ausdauer einer Drohne wesentlich höher. „Wir waren damit schon mehr als 100 Stunden am Stück über einem Ziel.“ Die Sehfähigkeit der High-Tech-Flieger aus 2000 Metern Höhe ist dabei enorm. „Wurde beim Verbringen der Sprengfallen auf den harten Straßen feuchte Erde aufgegraben, kann ich das auch noch zwei Tage später erkennen und die Bodentruppen rechtzeitig über die Bedrohung informieren“, sagt der vierfache Vater. Die Drohnen retteten im Einsatz Leben.

Aktuell können zwei Dutzend Soldaten aus Jagel auch Drohnen steuern - allesamt lizenzierte Piloten. Durch weitere kontinuierliche Ausbildung sollen es 35 sein. Doch im Norden herrscht seit dem 2013 vom damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) verhängten Entwicklungsstopp der skandalbelasteten Bundeswehr-Drohne „Euro Hawk“ große Unsicherheit. König war auch für diese Drohne als Pilot vorgesehen. Wie die anderen Soldaten seiner Einheit auch setzt der Süddeutsche darauf, dass Deutschland langfristig auf unbemannte Fluggeräte setzt. Die Leasing-Verträge für die drei israelischen Drohnen wurde gerade erst bis Februar 2016 verlängert.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich bereits im vergangenen Jahr grundsätzlich für die Anschaffung bewaffnungsfähiger Drohnen entschieden. Langfristig strebt sie die Entwicklung einer europäischen Drohne an. Das wird aber viele Jahre dauern. Eine Entscheidung wird noch vor Jahresende erwartet. Infrage kommen die US-Drohne „Reaper“ und die israelische Drohne „Heron TP“.

„Aus rein militärischer Sicht ist es keine Frage, dass ein unbemanntes System auch bewaffnet werden muss“, sagt der Jageler Kommodore Michael Krah. Die beste Aufklärung aus der Luft könne nicht verhindern, dass Bodentruppen in Gefahr gerieten. „Im Einsatz ist Zeit der entscheidende Faktor, ob unsere Truppen da heil wieder rauskommen oder nicht.“ Krah kennt die Vorurteile. Das die Drohnen-Debatte in Deutschland stets vermengt werde mit der Frage des gezielten Tötens - wie es von den USA auch nur zum Teil praktiziert werde - empfindet er als „bedauerlich“. „Am Ende schreibt uns doch die Politik bei jedem Einsatz vor, was man machen darf und was nicht.“

Währenddessen ist Drohnen-Pilot König bereits unterwegs zu seinem nächsten virtuellen Einsatz. Weil die Steuerung der aktuell verwendeten Drohnen weitgehend automatisiert ist, legt der 30-Jährige den neuen Kurs mit einem einfachen Mausklick fest. Die Wahrnehmung des Geschehens sei aber gänzlich anders als im Cockpit eines Fliegers: „Man spürt es nicht, man riecht es nicht, man hört es nicht, das muss man aber auch nicht.“

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