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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

So wird die erste deutsche Serie auf Amazon Prime

16.03.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-03-22T09:32:50Z 280 158

Schweighöfer-Serie „you Are Wanted“:
So wird die erste deutsche Serie auf Amazon Prime

Berlin Schlimm, schlimm: In Berlin gehen die Lichter aus. Und warum? Weil Hacker die Stromversorgung lahmgelegt haben, wie es im Drehbuch steht. Mittendrin im Schlamassel sitzt Lukas Franke, Hotelmanager und Familienvater, der gerade eine Konferenz am Laufen halten muss. Die ausländischen Gäste reagieren missgelaunt, Franke, gespielt von Publikumsliebling Matthias Schweighöfer, schmeißt eine teure Lokalrunde für schlappe 20 000 Euro. Doch die Dunkelheit bleibt. Die gemeinen Hacker wollen mehr: Frankes Identität.

„You Are Wanted“ ist eine neue Serie, aber eine, die sich nicht als irgendeine neue Serie versteht, so wie vielleicht „Der Lehrer“, „Das Großstadtrevier“ oder „Die Rosenheim-Cops“. Nein: Sie ist die erste in deutscher Sprache entwickelte Serie des Streaminganbieters Amazon Prime Video. „Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir mit unseren Partnern Warner Bros. und Pantaleon Films mit „You Are Wanted“ als erster Video-on-Demand-Service eine deutsche Serie angekündigt“, sagt Amazons Deutschland-Chef Christoph Schneider.

Als erster mit einer eigenen Serienproduktion schaffte es Amazon jedoch nicht auf den hiesigen Markt. Im Januar platzierte die ProSieben-Firma Maxdome, nach Amazon Prime Video und Netflix der Dritte im Bunde, mit „Jerks“ eine serielle Eigenproduktion. Wer nach dem Streamingstart jedoch interessiert nach der Zahl der Abrufe fragte, wurde enttäuscht: Geschäftsgeheimnis. Ob die mäßigen Einschaltquoten auf ProSieben zum Start von „Jerks“ im Free-TV einen Monat später einen Rückschluss auf das Interesse im Netz zulassen, ist zumindest fraglich.

Und das ist auch das Problem, das auf „You Are Wanted“ lastet. Nur Eingeweihte werden verlässliche Daten über die Netznutzung erfahren. Im frei empfangbaren Fernsehen sind die öffentlich zugänglichen Quoten die Währung, auf YouTube kann jeder Klickzahlen sehen, der Printmarkt gibt quartalsweise seine verkaufte Auflage bekannt. Doch Streamingdienste sind wie Tresore. Nur die Chefs haben den Code. Wenige Gralshüter in der Machtzentrale haben Zugang zum Umfang und Verhaltensmuster ihrer Kundschaft und können damit darüber entscheiden, wohin thematisch künftig der Hase läuft.

Aber wie hoch die Erwartungshaltung bei Amazon ist, darauf lassen die Vorbereitungen schließen: Mit Matthias Schweighöfer und seiner Produktionsfirma Pantaleon wurde einer der angesagtesten deutschen Schauspieler samt Organisationshintergrund eingekauft. Der in Anklam in der früheren DDR als Sohn zweier Schauspieler geborene Schweighöfer hat sich vornehmlich mit zugkräftigen leichteren Stoffen einen Namen in der Branche gemacht. Er ist zudem Regisseur der Serie. Das Drehbuch steuerten nach Arno Strobels gleichnamigen Buchtitel („You Are Wanted“) die Autoren Hanno Hackfort, Bob Konrad und Richard Kropf („HaRiBo“) bei, die auch die TNT-Serie „4 Blocks“ schrieben.

Schon seit Wochen rührt Amazon die Werbetrommel für die Produktion, über deren Kosten nichts bekannt ist. Mitteilungen wie „in über 200 Ländern und Territorien weltweit“ sei demnächst Schweighöfers Serie zu sehen, wurden verbreitet. Dazu gehörten auch die Antarktis, Ost-Timor oder die zu Neuseeland gehörenden Tokelau-Atolle, nicht aber Nordkorea oder Iran. Die Serie werde in englischer, französischer, italienischer und spanischer Synchronfassung verfügbar sein, teilte der Streamingdienst mit. Zusätzlich bietet Amazon Untertitel auf Portugiesisch, Hindi und Japanisch an.

Ein gewisses Misstrauen begleitet die Markteinführung des neuen Produkts: Journalisten kamen vorab nicht in den Genuss der kompletten sechsteiligen Staffel, sondern ausschließlich zwei Episoden zu sehen, auf denen dann noch Logos prangten, um die Gefahr der Weiterverbreitung zu mindern. Auch bekamen einige Redaktionen Anrufe von zwischengeschalteten PR-Büros, ob ihr geplanter Artikel denn „positiv“, „neutral“ oder „negativ“ ausfalle. Die Medienszene ist gewöhnlich zwar eitel, aber nicht kontrollbesessen.

Aber all das ist nichts im Vergleich zu dem, wie sich Lukas Franke nach dem Stromausfall gefühlt haben mag. Er muss auch seinen Geburtstag im Düsteren feiern, dann kommt (von Amazon?) ein von ihm nicht bestelltes Paket mit teuren Elektroartikeln, dann wird sein Kind virtuell bedroht, eine digitale Geliebte lässt die Eifersucht in Frankes Frau (Alexandra Maria Lara) erwachen, bevor er sich ganz tief in die raue Hackerszene begibt, um dem Phantom hinterherzujagen.

Immerhin: Unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg von „You Are Wanted“ hat Amazon einen weiteren Stein ins Mosaik gesetzt: Mit Bastian Pastewka bereitet der Streamingdienst als zweite deutschsprachige Eigenproduktion die Fortsetzung der Comedy „Pastewka“ vor. Die Streamingdienste müssen nämlich liefern: Die EU-Kommission hat eine Eigenproduktionsquote von 20 Prozent im europäischen Raum gefordert.

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Amazon | Pro7 | Warner Bros | ProSieben | Netflix | EU-Kommission