Washington - Sie nennen es Checkpoint of the Future: Wer als Reisender viel über sich preisgibt, kommt am Flughafen schneller durch den Sicherheits-Check – sofern seine Daten unverdächtig erscheinen. Die Gedankenspiele des internationalen Airline-Verbands IATA sind nur ein Beispiel dafür, was im Tourismus künftig möglich werden könnte.
Ein anderes: Wer heute im Netz „USA-Urlaub“ sucht und morgen „Wohnmobil“, erhält gleich ein Mietangebot für einen Caravan in Kalifornien.
Wer reist, hinterlässt immer mehr Daten, schnell entsteht mit Computerhilfe ein Profil des einzelnen Reisenden. In der Reisebranche lässt das viele Augen leuchten. Doch Datenschützern treibt es Sorgenfalten auf die Stirn.
Ob beim Buchen, beim Bezahlen, am Flughafen, im Online-Reiseführer: Die Datenspur endet erst, wenn der Urlauber daheim die schönsten Wochen des Jahres im Netz bewertet und seine Fotos einstellt. Schon knapp ein Drittel der Reisen buchen die Bundesbürger online, ergab die jüngste Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Immer mehr Infos werden elektronisch erfasst und lassen sich damit leicht auswerten.
Touristiker hatten immer schon Zugriff auf viele Daten, erklärt Harald Eisenächer, Vizechef des Reservierungssystem-Anbieters Sabre, auf der Reisemesse ITB. Aber erst heute sei es möglich und bezahlbar, sie gezielt auszuwerten. „Reisende sind Datenmagneten“, meint Eisenächer. Beide – Unternehmen und Kunden – profitierten von der Auswertung. So könnten Apps Passagiere warnen, dass sie ihr Gate im falschen Terminal suchen.
Dem Datenschützer Peter Schaar ist dabei nicht wohl. „Es kann nicht sein, dass ich nur noch reisen kann, wenn ich einwillige, dass alle meine Daten ausgewertet werden“, kritisiert Schaar auf der ITB. Er warnt auch die Unternehmen: Schnell seien Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse bedroht, wenn die Kundeninformationen in falsche Hände geraten. Viele teilen Schaars Unbehagen. Nach einer repräsentativen Umfrage für die Telekom will etwa nur jeder Zehnte seine Daten für personalisierte Werbung preisgeben.
„Die Big-Data-Bewegung ist nicht aufzuhalten“, heißt es in einem aktuellen Papier der Deutschen Bank. Kosten ließen sich senken und Kunden gezielter ansprechen. Die Forschungsabteilung der Bank hält aber auch eine Warnung vor der „ungezähmten Macht“ für angebracht: „Durch unverhältnismäßiges Datensammeln einiger Akteure könnte das Vertrauen in digitale Kanäle verlorengehen, zumindest spürbar sinken.“ Mit fatalen Folgen für das Wachstumsfeld.
