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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

Weiterrocken Im Netz: Was aus Musikvideos geworden ist

12.09.2014

Berlin Auch wenn die große Zeit von MTV und Viva vorbei ist: Musikvideos sind für Plattenfirmen und Musiker nach wie vor wichtig, sagt Andreas Leisdon vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Denn übers Netz könnten sie sich viral verbreiten und im hohen Maße dazu beitragen, dass Songs und Künstler populär werden. Viele Songs mit spannenden Clips wie „This Too Shall Pass“ von OK Go wurden so zu weltweiten Hits mit vielen Millionen Klicks.

Die gezielte Nutzung viraler Effekte verändert Musikvideos, sagt Prof. Henry Keazor von der Universität Heidelberg. Fans werden mehr und mehr einbezogen, erleben interaktive Videos oder dürfen mit selbst gedrehtem Videomaterial zu Clips beitragen. Zu Pharrell Williams“ Hit „Happy“ nahmen unzählige Menschen weltweit eigene Videos auf. Aufwendige Clip-Werke von Star-Regisseuren wie Spike Jonze werden dagegen immer seltener, beobachtet Kunsthistoriker Keazor, der zu Musikvideos forscht.

Natürlich finden sich viele Musik-Clips auf den altbekannten und beliebten Videoportalen im Netz. Der weltweit größte Anbieter in diesem Bereich ist YouTube. Hier finden sich auch Millionen von Musikvideos, die teils von Plattenfirmen, teils von Fans ohne Genehmigung hochgeladen wurden. Nur YouTube biete Musikern die Möglichkeit, mit Videos über eine Lizenzierung hinaus Geld zu verdienen, sagt Verena Blättermann vom Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) „So kann nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Geld mit den Videos generiert werden.“

Doch da sich YouTube und die Verwertungsgesellschaft GEMA nicht über eine Gebühr für urheberrechtlich geschütztes Material einigen können, bleibt der Bildschirm für Nutzer in Deutschland oftmals schwarz, wenn sie ein Video starten wollen.

Anders bei der Konkurrenz: MyVideo oder Clipfish sind sich nicht nur mit der GEMA einig geworden, sie haben auch Vereinbarungen mit Plattenfirmen. Gut aufgebhoben sind Musikfans auch bei Portalen, die auf Musikvideos spezialisiert sind, etwa Vevo.com, Putpat.tv oder Tape.tv. Alle bieten einen breiten Katalog von Künstlern und Videos - zwar hauptsächlich aus dem Major-Bereich, doch auch zunehmend von unabhängigen Plattenfirmen, wie Verena Blättermann bestätigt.

Das Angebot der Musikvideo-Portale wird hauptsächlich durch Werbung finanziert. Wie einstmals bei MTV und Viva wird also dann und wann ein Werbespot eingeblendet. Einige Portale belohnen Nutzer mit Werbefreiheit, wenn sie Werbung machen: Tape.TV etwa ermöglicht den Nutzern, das Angebot eine Stunde ohne Werbung zu nutzen, wenn sie ein Video in einem sozialen Netzwerk teilen.

Alle Anbieter werben damit, ein individuelles, dem persönlichen Geschmack entsprechendes Musikvideo-Programm anbieten zu können. „Mit der Verschiebung ins Internet hat sich das Musikfernsehen zu einem nicht-linearen Modell entwickelt, in dem der Zuschauer seine eigene Playlist zusammenstellen kann“, erklärt Andreas Leisdon. Der persönliche Geschmack steht also im Vordergrund. Der Nutzer sucht nach seinen Favoriten und bekommt gleichzeitig Vorschläge unterbreitet. Aber auch die starre Clip-Abfolge des traditionellen Musikfernsehens ist nach wie vor zu haben. „Die Formate und Angebote des Musikfernsehens sind nicht verschwunden, sie finden nur woanders statt“, sagt Leisdon.

Die meisten Musikvideo-Portale bieten also nach wie vor auch redaktionell zusammengestellte Video-Strecken nach Musikgenres oder in Zusammenarbeit mit Radiosendern, Festivals oder Musikmagazinen. Bei Putpat.tv sind so etwa Kanäle des Melt-Musikfestivals oder des Metalmagazins „Rock Hard“ zu sehen und zu hören.

Einen Überblick über legale Portale für Musik und Musikvideos bieten verschiedene internationale Verbände gemeinsam auf Pro-music.org. Hier finden sich neben bekannteren Streaming-Diensten und Videoportalen auch spezialisierte Angebote von Seiten für Schlager-Videos bis hin zu Seiten für Konzertmitschnitte. Die Mutter des Musikfernsehens MTV bietet übrigens online nach wie vor einzelne Videos an.

Die weitere Zukunft des Musikvideos sieht Prof. Henry Keazor übrigens auf Smartphones: Nachdem Hörer bereits ihre Lieblingsmusik immer dabei haben können, werde das bei den Videos auch so sein. Und mit einem guten Handy ließen sich auch gleich eigene Clips drehen.

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