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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

Wikipedia bekommt in Polen ein Denkmal

19.10.2014

Slubice Eine Weltkugel aus Puzzleteilen, in die Höhe gestemmt von vier Männern - mit dieser Skulptur ehrt das westpolnische Slubice das Internet-Lexikon Wikipedia. Für Krzysztof Wojciechowski ist das Projekt „wie ein Wunder“. Der Direktor des Collegium Polonicum in der kleinsten Universitätsstadt Polens hatte die Idee für das fast zwei Meter große Denkmal ganz in der Nähe von Frankfurt (Oder). Höchste Zeit also für das - nach Aussage Wojciechowskis - weltweit erste Denkmal, das am kommenden Mittwoch (22.10.) enthüllt werden soll.

Dabei geht es dem Sozialwissenschaftler nicht nur um die schiere Größe des immer weiter wachsenden Projekts mit mehr als 30 Millionen Einträgen in fast 300 Sprachen. „Heutzutage ist fast jeder zu allem bereit, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt er. In einer Welt, in der für viele Menschen nur noch die ständige Selbstdarstellung und -inszenierung über soziale Medien, die Zahl der „likes“ auf ihren Facebook-Profilen und der Twitter-Follower zähle, seien die Wikipedia-Autoren gewissermaßen ein Alternativmodell.

„Das ist wie eine Defensive bescheidener Menschen gegen das egozentrische Monster“ schwärmt Wojciechowski geradezu von den vielen Menschen, die anonym, oft mit beträchtlichem Zeitaufwand, Artikel recherchieren und schreiben. „Das ist eine gewaltige und vielfach qualitativ gute Arbeit.“ Wo sonst sei es möglich, so viele Menschen zu einem gemeinsamen Projekt zu vereinen, fragt der Hochschullehrer. „Für mich ist das ein Zeichen der Hoffnung, dass die Wissensgesellschaft zu etwas Uneigennützigem bereit ist - das ist doch eine Hoffnung für die ganze Zivilisation.“

Fast wundert sich Wojciechowski, dass nicht schon früher jemand auf den Gedanken kam, das im Januar 2001 gestartete Onlinelexikon offline mit einem Denkmal zu würdigen. Als er vor vier Jahren um Unterstützung und Geld für das Projekt warb, stieß er überall auf Ablehnung - auch bei der polnischen Wikimedia-Gesellschaft.

Der einzige, der sich für die Denkmalsidee begeistern konnte, war Tomasz Ciszewicz, der damals frisch gewählte Bürgermeister von Slubice. Doch Ciszewicz, der eine hoch verschuldete Stadt übernommen hatte, musste erst einmal den Haushalt der Grenzstadt an der Oder konsolidieren. Nun ist es soweit - mit umgerechnet knapp 15 000 Euro finanziert die Stadt den Skulpturenbau. Ciszewicz hofft, dass das Denkmal auch mehr Touristen anlockt. „Das ist eine neue Attraktion für die Besucher von Slubice“, heißt es bei der Stadt.

Warum also ausgerechnet Slubice und nicht etwa San Francisco, der Sitz der Wikimedia-Foundation? Wojciechowski meint, Polen passe prima als Standort. „Die Polen gehörten von Anfang an zu den fleißigsten Wikipedia-Autoren. Seit Jahren liegt das polnische Wikipedia nach der Zahl der Eintragungen an vierter Stelle hinter Englisch, Deutsch und Französisch. Das erfüllt mich schon mit Stolz.“

Wikimedia selbst äußerte sich nicht zu einer Anfrage, ob es sich tatsächlich um das erste Denkmal für Wikipedia handelt. In der Netzgemeinde ist das Denkmalprojekt mittlerweile Gesprächsthema. „Danke für diese Geste der Anerkennung“, schreibt etwa Andy Mabbett aus dem englischen Birmingham auf einer speziell eingerichteten Internetseite. „Ich bin stolz, dass ein Denkmal zu etwas entsteht, an dem ich beteiligt bin“, meint der polnische „Wikipedist“ Tomasz.

Die Kommentare in sozialen Medien sind zwiespältiger. „Polnische Kuriosität“, heißt es dort etwa, aber auch „Kultur von heute“. Und wie wohl kaum anders zu erwarten, gibt es auch schon die ersten Wikipedia-Einträge zu dem Denkmal des armenischen Bildhauers Mihran Hakobyan.

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