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NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt

Oldenburger Frauenpaar: Zeitgleich mit Partnerin im Schwangerschaftsglück

16.06.2016

Oldenburg Die Frauenärztin machte aus ihrer Überraschung keinen Hehl. Aber erst hinterher, als alles gut gelaufen war, als das Glück mit der Geburt von zwei Mädchen perfekt war. „Unsere Gynäkologin hatte nicht daran geglaubt, dass das klappt“, berichten Inka (44 Jahre) und Heike (48) B., die nach den ersten Beratungsgesprächen selbst eher skeptisch waren, wie schnell ihr Kinderwunsch in Erfüllung gehen würde. Dass die selbst durchgeführte künstliche Befruchtung gleich bei beiden so ungewöhnlich schnell anschlug, hat den Frauen ein wohl einmalig inniges Erlebnis beschert. Fünf Monate waren sie gemeinsam schwanger, mussten gar nicht groß beschreiben, wie sich das wachsende Leben im Bauch anfühlt, weil die Partnerin es parallel erlebte. „Das war eine ganz besondere Nähe und Gemeinsamkeit“, sagt Heike. Lara kam am 25. Mai 2002 zur Welt, ihre Schwester Lisa am 2. Oktober 2002.

Bei aller Gemeinsamkeit gab es aber auch Unterschiede: Inka war immer müde, Heike strotzte vor Energie. Dafür hatte die Jüngere als ursprünglich gelernte Krankenschwester keine Scheu vor dem Kreißsaal, findet „die Freude und Erleichterung nach der Geburt toll“, während ihre Partnerin sagt: „Zum Glück war ich zuerst dran. So hatte ich die Geburt schon hinter mir, als ich Inka begleitet habe.“ So flachsten die Frauen: Beim nächsten Mal übernimmt Heike die Schwangerschaft und Inka die Geburt. Bei der Betreuung der Kinder war von vornherein klar: Heike, die als gelernte Erzieherin und Heilpädagogin in Bremen angestellt ist, bleibt zuhause. Inka, Mitinhaberin eines Großhandel für Floristen- und Dekorationsbedarf, arbeitet weiter. Der Plan war, dass Heike auch die kleine Lisa stillt. „Das war das Einzige, was nicht geklappt hat.“

Biologisch ging alles ganz schnell. Bis dahin war es aber ein langer Weg für das Frauenpaar. „Wir haben uns Jahre Gedanken gemacht, waren bei vielen Veranstaltungen und Diskussionsrunden, um uns zu informieren, wie wir unseren Kinderwunsch am besten realisieren“, sagt Inka in familiärer Runde im gemütlichen Wohnzimmer in Oldenburg-Osternburg. Für das Paar stand fest: Es sollte nicht über eine Samenbank laufen, aber auch nicht mit jemandem aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Der Vater sollte nicht anonym, aber trotzdem außen vor sein. Außerdem war klar: Es wird keinen Beischlaf geben. Damit stellte sich die Frage: Wie finden wir einen Samenspender, wenn weder ein Kontakt zum Kind noch eine Bettgeschichte in Aussicht steht? Inka und Heike schalteten drei Anzeigen und stellten fest: Keiner der Kandidaten wollte tatsächlich Geld.

Formen der Adoption

Eine Stiefkindadoption liegt vor, wenn einer der Lebenspartner biologischer Elternteil des Kindes ist. In diesem Fall darf der Lebenspartner das Kind seit 2005 rechtskräftig adoptieren.

Eine gemeinschaftliche Adoption ist Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in Deutschland nicht erlaubt. Nur Ehepaare dürfen ein Kind gemeinschaftlich adoptieren.

Zulässig ist hingegen die Adoption durch einen Lebenspartner allein. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgericht 2013 dürfen Lebenspartner auch adoptierte Kinder ihrer Partner adoptieren. Das Verbot der gemeinschaftlichen Adoption hat damit praktisch keine Bedeutung mehr, weil Lebenspartner es dadurch umgehen können, dass sie ein Kind nacheinander adoptieren (Sukzessivadoption). Das ist sogar in ein und demselben Termin möglich.

Quelle: Lesben- und Schwulenverband

    www.lsvd.de/recht/ratgeber/adoption

Von den mehr als 20 Anfragen hatten manche die Ansage „kein Sex“ schlicht ignoriert, die wurden gleich aussortiert. Fünf Kandidaten kamen in die engere Auswahl, bei einem zeigte sich ein „sehr übertriebener Wunsch zur Fortpflanzung“, was die Frauen bei ihrer sehr bewussten Vater-Auswahl auch wenig überzeugte. Übrig blieb ein „echter Sympathieträger“. Auf die Frage, warum er sich auf die Anzeige gemeldet habe, antwortet er: „Als ich das las, dachte ich: Den beiden muss geholfen werden.“ Gesagt, getan. Heike war nach dem dritten Versuch schwanger. Als sie im dritten Monat war, haben sie es bei Inka versucht, was nach dem zweiten Versuch klappte.

In diesen an sich schon unglaublichen Empfängniserfolg mischt sich eine Anekdote, die den beiden Frauen erst später bekannt wurde. Zwischen den Geburten der beiden Mädchen wurde der Samenspender Vater eines Sohnes. Nachdem er dem Frauenpaar seine Unterstützung zugesagt hatte, verliebte er sich und zeugte auch hier schnell Nachwuchs. In der Zwickmühle zog er es erst einmal vor zu schweigen. Als die Heirat mit seiner Auserwählten anstand, offenbarte er sich, und es kam zu einem Treffen der beiden Paare. In dieser für alle Seiten sehr emotionalen Situation kamen die Eltern überein: Wenn Lara und Lisa dies wünschen, wird ein Kontakt zum Vater in Erwägung gezogen. Bisher haben die Mädchen aber kein Interesse, ihren Erzeuger kennenzulernen.

Dass ihre Familiensituation „irgendwie anders“ ist, haben Lara und Lisa zum ersten Mal im Kindergarten bemerkt. „Wenn jemand fragt, sage ich, dass ich zwei Mütter habe. Dann muss man meist erstmal ein bisschen warten“, deutet Lara an, dass es bei manchen Menschen etwas dauert, bis sie die Situation erfasst haben. „Meist brauchen Jungs etwas länger“, hat Lara festgestellt.

Und die Irritationen im Umfeld führen immer wieder zu amüsanten Momenten wie dem vor dem Oldenburger Standesamt. Als im Jahr 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft trat und gleichgeschlechtliche Paare erstmals eine rechtlich anerkannte Verbindung eingehen konnten, nutzten Inka und Heike die Gelegenheit. Im März 2002 wurde „geheiratet“. Eine Frau kommentierte den ungewohnten Anblick: „Das sind ja zwei Frauen!“ Ein Freund des Paares antwortete: „Und die müssen sogar heiraten!“ Heike war im sechsten Monat, Inka im zweiten Monat schwanger. Auch nach der Geburt erinnert sich die jüngere der Mütter an einen verblüfften Blick. Als sie im Stillzimmer von einer Frau gefragt wurde: „Ist das euer erstes Kind?“ und sie antwortete: „Nein, wir haben schon eine vier Monate alte Tochter.“

Offene Ablehnung hat die Familie so gut wie nie erlebt, eher festgestellt, dass eventuelle Vorbehalte bei einem Kennenlernen schnell verschwinden. So war es etwa bei dem Mann vom Jugendamt, der vor der wechselseitigen Stiefkind-Adoption zu Besuch kam: „Wir konnten förmlich zusehen, wie seine Skepsis abbröckelt“, erinnert sich Heike. Seit dem 1. Januar 2005 können Lebenspartner leibliche Kinder ihres Partners adoptieren. „Als das möglich wurde, haben wir uns sofort darum gekümmert“, blicken die Mütter zurück. Für die Familie stand fest: Pfingsten soll eine große Adoptionsparty steigen. Nach langem Warten auf den Termin bei der Familienrichterin klappte es auch: Rechtzeitig zu dem christlichen Feiertag lag die ersehnte Bescheinigung vor und „Mama“ Heike, „Ma“ Inka, Lara und Lisa feierten mit Freunden, Verwandten und Nachbarn die staatliche Anerkennung dessen, was für sie gelebter Alltag ist: Sie gehören alle vier zusammen.

Um den Familienstatus deutlich zu machen, war den Müttern der gemeinsame Nachname ganz wichtig, den Tochter Lara aber lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Der gleiche Namen war auch das Einzige, was wir 2002 mit der Eingetragenen Lebenspartnerschaft erhielten. Wir hatten praktisch alle Pflichten von Ehepaaren aber keine Rechte“, blickt Inka zurück. „Aber wir wollten ein Zeichen setzen, damit deutlich wird, dass sich da was tun muss.“ Heute sind Verpartnerte in allen Rechtsbereichen mit Ehegatten gleichgestellt, mit einer Ausnahme: der gemeinschaftlichen Adoption, die dann zum Tragen kommt, wenn keiner der Lebenspartner leiblicher Elternteil ist (siehe Infokasten). Das war bei Familie B. ja nicht der Fall. Trotzdem wünschen sie sich wie wohl alle homosexuellen Paare die „Ehe für alle“, also die kompletten Gleichstellung mit Heterosexuellen, wie sie in vielen Ländern der Welt mittlerweile gilt. Zuletzt erfolgte die Gleichstellung in Irland und den USA. In Deutschland scheitert sie bislang an CDU und CSU.

Rechtliche Hürden haben Homosexuelle im Laufe der Jahre viele genommen, die eigentlichen Konflikte liegen aber oftmals woanders. Vor allem, wenn die Religion eine so große Rolle spielt wie bei Heike und Inka. „Ich wurde streng katholisch erzogen und habe ganz, ganz viel Zeit gebraucht, damit klarzukommen“, sagt Heike, die gebürtig aus dem Kreis Cloppenburg kommt. Ihren für sich selbst so hart erarbeiteten Glauben wollte sie nicht aufgeben, so leben die Frauen eine ökumenische „Ehe“, Heike und Lara sind katholisch, Inka und Lisa evangelisch. Beide sind überzeugt: „Gott nimmt uns so an, wie wir sind“, und fühlen sich durch ihre Gemeinden bestätigt. Zur „Hochzeit“ habe der evangelische Pastor sogar einen Segnungsgottesdienst gehalten, obwohl es damals noch nicht erlaubt gewesen sei. „Das brachte ihm einigen Ärger ein.“

Auch in ihren Familien waren die Widerstände zunächst groß: jahrelange Verleugnung, Angst vor der Öffentlichkeit, Reaktionen wie „Oh Gott, es gibt keine Enkelkinder“ oder „Das ist die größte Katastrophe meines Lebens“. Noch heute ist den Frauen anzumerken, wie schwer die Ablehnung zu ertragen und wie groß die Erleichterung war, als die Eltern die Partnerin endlich akzeptierten. Bei Heike war der Glücksmoment gekommen, als sie im fünften Monat war. Ihre Eltern schmiedeten Urlaubspläne und riefen an, um nach dem Geburtstermin zu fragen: „Dann wollen wir da sein“, sagte der Vater. Da war der Knoten geplatzt.

Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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