Dinklage/Holdorf/Emstek - Eine Allianz gegen eine angedachte Stromtrasse entlang der A 1 haben jetzt Vertreter von elf Kommunen der Kreise Oldenburg, Vechta und Osnabrück geschmiedet. Als Gruppe wollen sie der Stimme einzelner Orte im Kampf gegen eine 380-Kilovolt(kv)-Leitung mehr Gewicht verleihen. Das betonten am Donnerstag Vertreter von Großenkneten, Emstek, Cappeln, Vechta, Bakum, Lohne, Dinklage, Neuenkirchen-Vörden, Rieste und Bramsche bei einem Pressegespräch in Dinklage. Ebenfalls bei der Allianz vertreten ist Holdorf, auch wenn Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug an dem Donnerstagtermin nicht teilnehmen konnte.
Für die Vertreter der Kommunen ist klar: Eine Stromtrasse von Conneforde nach Merzen entlang der Autobahn A 1 mit Namen „Variante F“ „geht mit einem massiven Eingriff in Natur und Landschaft“ einher und stört die „weitere städtebauliche Entwicklung der betroffenen Kommunen“. Gewerbegebiete könnten nicht wie geplant weiter ausgebaut, Arbeitsplätze nicht geschaffen oder gehalten werden.
Klare Worte – und ein klares Signal. Denn mit der neuen Allianz bilden die Bürgermeister ein neues Lager im Kampf um die Trassenführung. Ein Gewicht gegen jene Kommunen, die für Leitungen entlang der Autobahn sind, um ihre eigenen Gemeindegebiete vor den 380-kv-Leitungen zu bewahren.
Während Großenkneten befürchtet, dass Gemeindeteile von 21 Kilometer Freilandleitung durchschnitten und Ortschaften massiv beeinträchtigt werden, sorgt sich die Stadt Vechta nicht zuletzt ums Windenergiegebiet in Langförden und die Stadt Lohne um bestehende Gewerbegebiete. Eine Ausweichmöglichkeit für die Trasse wäre in dem Bereich Burgwald Dinklage, der, so betonte Bürgermeister Frank Bittner, allerdings zum Netz Natura 2000 gehört. Bittner: „Sollen da etwa 45 Meter breite Schneisen reingeschlagen werden?“ Davon abgesehen, dass auch Dinklager Gewerbegebiete betroffen seien.
Gewerbe und Windpark treiben auch Neuenkirchen-Vörden um, während die Gemeinde Rieste im Kreis Osnabrück nicht zuletzt den Niedersachsenpark ins Feld gegen die Stromtrasse führt und im Schulterschluss mit Bramsche weitere Belastungen für die Kommunen verhindern möchte – auch mit Blick auf einhergehende Umspannwerke oder Konverterstationen in der Region.
Sorgen macht sich auch Emstek, das ebenso an der Autobahn liegt wie die weiteren Allianz-Mitstreiter. Bürgermeister Michael Fischer übte harsche Kritik an den Kreisen Cloppenburg und Osnabrück, die seiner Ansicht nach die Trasse nur zu gern Richtung Autobahn schieben wollten. Gemäßigtere Töne schlug Cappelns Bürgermeister Marcus Brinkmannn an, stellte aber klar, dass seine Gemeinde aller Wahrscheinlichkeit nach so oder so von der 380-kv-Leitung und Umspann- oder Konverterstationen betroffen sei. Er kritisierte fehlende Transparenz bei den Planungen und forderte klare Entscheidungskriterien.
Transparenz fehlt den Vertretern der Kommunen auch in Sachen Raumwiderstände. Es werde mit Kartenmaterial gearbeitet, das zu alt sei und Gewerbe- und Wohngebiete noch gar nicht beinhalteten würde.
