Dinklage - „Das Oldenburger Münsterland ist einer der leistungsfähigsten Agrarwirtschaftsräume Europas. Es ist ein Kraftzentrum für ganz Niedersachsen. Das soll so bleiben und dafür wird es großer Anstrengungen bedürfen.“ Klare Worte von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der am Mittwochabend auf Einladung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland vor eingeladenen Pressevertretern sprach.
„Agrivizion – Oldenburger Münsterland. Wir machen Zukunft“ lautet der Titel der Imagekampagne, mit der das AEF die Bedeutung der Region als Innovationszentrum für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft herausstellen möchte. „Wertewandel in den Zuchtzielen“ war das Thema vor Ort im Burghotel Dinklage.
„Mit der heutigen ersten Veranstaltung der Dialogreihe zum Themenbereich „Tierzucht“ stellt das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland, das rund 80 Unternehmen vertritt, unter Beweis, dass Probleme, die viele Verbraucherinnen und Verbraucher bewegen, inzwischen seitens der Branche selbst offensiv angegangen werden“, so Weil weiter. Er begrüße das sehr, denn neue Entwicklungen im Bereich Tierzucht sollten immer auch der Verbesserung von Tierwohl und Tiergesundheit dienen. „Das liegt auch im wirtschaftlichen Interesse der hiesigen Agrar- und Ernährungswirtschaft.“
Uwe Bartels Minister a.D. und Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, betonte, dass sich der Verbund zum Ziel gesetzt habe, pro-aktiv die Herausforderungen der starken Wirtschaftsregion Oldenburger Münsterland anzugehen und Lösungen zu erarbeiten. „Wer, wenn nicht die Unternehmen der Branche, die schon immer kreativ, innovativ und risikobereit waren, sind in der Lage, komplette Lösungen zu erarbeiten, die nachhaltig und für die Gesellschaft akzeptabel sind?“ Bartels wies darauf hin, dass aus der ethischen Betrachtung heraus ein Paradigmenwechsel und ein Wertewandel in den Zuchtzielen eingetreten sei. „Gerade Unternehmen des Oldenburger Münsterlandes sind Motor auf diesem Sektor. Wir wissen um die Verantwortung der Wissenschaft, der Zuchtorganisationen und der Landwirtschaft für den Erhalt der genetischen Vielfalt und er Integrität der Tiere. Hier liegt noch ein weites Arbeitsfeld vor uns.“
Prof. Dr. Henner Simianer, Leiter der Abteilung Tierzucht und Haustiergenetik der Georg-August-Universität, sieht die moderne Tierzucht derweil als ein mächtiges Instrument, das schon lange nicht mehr nur zur Steigerung der Leistung, sondern auch in geringem Maße zur Verbesserung der Fitness und der Tiergesundheit eingesetzt werde. Mit Hilfe neuer Züchtungstechniken könnte neuen Herausforderungen wie der Anpassungen an gesellschaftliche Anforderungen hinsichtlich des Tierwohls oder des Klimawandel begegnet werden. Voraussetzung hierfür seien allerdings verlässliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz.
Ebenso sah es Prof. Dr. Rudolf Preisinger, Chief Technical Officer, EW-Group GmbH. Seiner Ansicht nach hat die Deutsche Geflügelzucht bereits vor vielen Jahren vorausschauend auf die sich ändernden Marktanforderungen reagiert. In der Folge habe ein deutlicher Wertewandel in der Zuchtzieldefinition stattgefunden. „Tierwohl, Effizienz und Nachhaltigkeit bestimmen die Selektionsentscheidungen in der Basiszucht“, so Preisinger.
Zucht sei viel, aber nicht alles, entgegnete Prof. Dr. Sabine Petermann, Leitung Tierschutzdienst des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Die heute üblicherweise eingesetzten Lege- und Mastgeflügelhybriden seien absolute Hochleistungstiere. Daher stelle die Haltung dieser Tiere ganz besondere Anforderungen an die Sachkunde und an das Management auf den jeweiligen Betrieben. Zur Beurteilung der Tierhaltungen seien Tierschutzindikatoren, wie beispielsweise die Fußballengesundheit bei Mastgeflügel, einzusetzen. Zudem plädierte Petermann für den Verzicht auf prophylaktische Eingriffe wie das Schnabelkürzen. Petermann forderte darüber hinaus eine nationale Nutztierstrategie.
