Dötlingen - Bürger aus Dötlingen sind am Donnerstag im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen den von der Gemeinde geplanten Ausbau des Heidewegs und des Dorfrings zwischen Lopshof und der Kreisstraße 341.
Die Anwohner sind nicht gegen eine Sanierung, aber dagegen, dass der Dorfring verbreitert wird. Sie befürchten dadurch mehr und schnelleren Durchgangsverkehr. „Wir wollen keine Beschleunigung, sondern eine Entschleunigung“, sagte Malte Hoffrogge. Dafür sei der Dorfring in Höhe des Cafés Behr gut geeignet. Die Fahrbahn dort sei so schmal, dass zwei Fahrzeuge nicht gleichzeitig die Stelle passieren können.
Ende Juli hatte die Gemeindeverwaltung den Anwohnern die Pläne vorgestellt, im März war der Ausbau Thema im Bauausschuss. „Die Anwohner fühlen sich wegen der nun an den Tag gelegten Eile überrumpelt“, sagte Andreas Bötefür. Manfred Schulenberg und Ralph Onnen machten deutlich, dass ihnen die Gemeinde quasi fertige Pläne präsentiert habe und die Bürger im Grunde keine Mitsprache mehr hätten.
Bis Ende Oktober muss die Gemeinde den Antrag beim Land gestellt haben, um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen. Das bestätigte am Donnerstag die Allgemeine Stellvertreterin des Bürgermeisters, Katrin Albertus-Hirschfeld. Möglich ist eine Förderung von bis zu 60 Prozent der anerkannten Netto-Baukosten. Diese Förderung werde in den nächsten Jahren abgesenkt. Die Kosten für einen Ausbau bezifferte sie auf rund 800 000 Euro. Etwa 400 000 Euro müsse die Gemeinde tragen, circa 152 000 Euro kämen auf die Anlieger zu. Der öffentliche Zuschuss liege bei etwa 235 000 Euro. 25 000 Euro wolle ein privater Investor beisteuern.
Um die Förderung zu erhalten, muss die Gemeinde aber bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehört die Verbreiterung der Fahrbahn auf 5,50 Meter. Jetzt ist der Dorfring an der engsten Stelle laut Anlieger 3,70 Meter breit. Weitere Aspekte sind eine durchgehende Oberflächenentwässerung und Fahrbahnerneuerung, ein Radwegeanschluss im Bereich Kunstberg/Tabken und eine 40 Tonnen Traglast der Fahrbahn. In der Präsentation der Gemeinde wird die Straße als überwiegend dem Durchgangsverkehr dienend eingestuft.
Doch die Anwohner und auch andere Bürger wollen keinen Durchgangsverkehr, insbesondere nicht auf dem Dorfring. Dafür sei die nahe Kreisstraße da. „Jetzt muss langsam gefahren werden. Das schafft Sicherheit“, meinte Carlo Beeskow.
Zudem werde die neue Straße den Dorfcharakter nachteilig verändern. „Unser Dorf muss nicht wie geleckt aussehen“, so Beeskow. Und Hoffrogge: „Dötlingen ist mit dieser ortstypischen Straße Golddorf geworden.“ Viele Bürger wollten keine neue Straße, nur weil es Fördermittel gibt.
Die Anwohner befürchten ferner, dass nicht nur die 150 alte Hecke am Dorfring zerstört wird, wenn direkt daran ein Radweg gebaut wird, sondern auch, dass die über 1000-jährige Dorfeiche Schaden nimmt. Dem widerspricht Albertus-Hirschfeld. Der Gemeinde sei selbstverständlich daran gelegen, solch alte Bäume und Hecken zu erhalten.
Die Bürger wollen in jedem Fall mitreden. Dazu könnte es in der Bürgerfragestunde des Bau-, Straßen- und Verkehrsauschusses am Dienstag, 16. September, um 19 Uhr im Rathaus in Neerstedt Gelegenheit geben. Dort steht der Ausbau des Heidewegs/Dorfrings auf der Tagesordnung. Der Gemeinderat will letztlich am Donnerstag, 25. September, entscheiden.
