Altona/Landkreis - „So ruhig war es bei der Nominierung eines Bundestagskandidaten noch nie“, lobt der CDU-Kreisvorsitzende Ansgar Focke die Fairness der beiden Kandidaten. In einer Urwahl wählen die CDU-Mitglieder am Montag, 24. September, ab 19 Uhr im „Hotel Backenköhler“ in Stenum ihre Bundestagskandidatin oder ihren Bundestagskandidaten im Wahlkreis 28 (Wesermarsch/Delmenhorst/Oldenburg-Land). Zur Wahl stehen Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) und Thomas Schulze (Streekermoor). Als relativ unwahrscheinlich gilt in Parteikreisen, dass kurz vor der Wahl noch ein weiterer Bewerber seinen Hut in den Ring wirft.

Derzeit touren die beiden Bewerber durch die Region, um sich der Parteibasis vorzustellen. So auch am Montagabend im „Hotel Gut Altona“, wo gut 50 CDU-Mitglieder aus den Ortsverbänden Wildeshausen, Großenkneten und Dötlingen geduldig auf politische Argumente warten. Zuvor stimmt Jens Nacke (Metjendorf), Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, auf die niedersächsische Landtagswahl am 20. Januar 2013 ein. Er warnte, die SPD wolle den guten Ruf von Ministerpräsident David McAllister (CDU) beschädigen, um überhaupt eine Chance zu haben.

Astrid Grotelüschen (47), die 2009 nach 44 Jahren wieder das Direktmandat für die CDU im Wahlkreis 28 gewonnen und später mit der Berufung zur Landwirtschaftsministerin niedergelegt hatte, wies auf ihr gutes Netzwerk in der Landes- und der Bundespolitik hin. „Ich möchte in Berlin Dienstleisterin für diese Region sein“, so die Unternehmerin. Schwerpunkte wolle sie in der Familien- und der Wirtschaftspolitik setzen.

Thomas Schulze (47) will das christliche Menschenbild zum Leitfaden seiner Politik machen. Der Bankangestellte setzt auf Gemeinsinn: „Politik ist keine rheinländische Karnevalsveranstaltung, ,sondern eher eine Kohlfahrt, bei der alle abwechselnd den Karren ziehen.“ Wichtig sei ihm die Familie als Fundament der Gesellschaft. Die Union müsse sich zudem mit dem Thema „Niedriglohn“ befassen: „Arbeit muss sich lohnen.“

Einer klaren Aussage zum Mindestlohn wich Schulz auf Nachfrage allerdings aus. Astrid Grotelüschen meinte, das sei Sache der Tarifpartner. Zudem solle auf regionale Unterschiede Rücksicht genommen werden. Überraschend klar fiel da die Stellungnahme von Dachdeckermeister Uwe Dekker (Wildeshausen) aus: „Der Mindestlohn hat in unserer Branche für Ruhe gesorgt.“

Themen waren auch das C im Parteinamen und das konservative Profil der CDU. Grotelüschen forderte, die Erziehungsleistung stärker anzuerkennen. Die Förderung von Senioren-Wohngruppen und eine gute Pflege liegen Schulze am Herzen. Welche Argumente besser verfangen, wird sich erst am Montag zeigen. Ein erfahrener Unions-Mann zeigte sich gleichwohl verwundert, dass ausgerechnet zwei Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion um die Kandidatur im Wahlkreis buhlen.