Donnerschwee - Die Alliierten achteten nach Kriegsende streng darauf, dass bei der Entnazifizierung nicht Leute übersehen wurden, die beispielsweise als Handwerker tätig waren. So erging es auch dem Vater von Maria Klein, der erst gegen Jahresende 1945 die Genehmigung bekam, seinen Handwerksbetrieb wieder zu eröffnen. Er war Brunnen- und Pumpenbauer sowie Kupferschmiedemeister.
Großer Bedarf
Der Bedarf an Reparatur-, Wartungs- und Neuerrichtungen war riesig, erinnert sich Maria Klein weiter – besonders in der Landwirtschaft. Da Lebensmittel knapp waren, gab es manchmal von den Bauern Naturalien zur Bezahlung dazu. Maria Klein: „So bekam ich einmal von meinem Vater als damals 14-Jährige den Auftrag, ein Suppenhuhn von einem Bauernhof in Ohmstede zu holen. Ich fuhr mit meinem alten klapprigen Fahrrad hin und bekam von dem etwa gleichaltrigen Bauernsohn ein Bündel ausgehändigt, das ich dankend entgegennahm. Als ich losfuhr, bemerkte ich ein Zappeln und Gackern, kehrte sofort um und und rief entsetzt: ,Das lebt ja noch!’ Der Bauernsohn grinste breit: ,Ja, das müsst ihr noch schlachten’. ,Das kann bei uns keiner’, sagte ich mit Entschiedenheit. Er nahm mir das Bündel wieder ab: ,Na dann komm mit’, ging zu einem Haublock und trennte dem armen Vieh mit einem Beil den Kopf ab.“
Aufgewühlt nach Hause
Maria Klein fuhr aufgewühlt Heim und konnte sich lange Zeit nicht wieder beruhigen, wie sie die Situation schildert. Das Suppenhuhn wurde der Oma übergeben, die es sachgemäß rupfte, ausnahm und zubereitete. Sie stammte aus einer Bauernfamilie aus Ostfriesland, hatte auf Juist in einem großen Hotel Köchin gelernt und bis zu ihrer Hochzeit dort gearbeitet. Maria Klein: „Die Hühnersuppe und das Hühnerfrikassee haben uns allen dann aber köstlich geschmeckt.“
