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NWZonline.de Region

Arbeitsbedingungen oft erbärmlich

07.07.2014

Nordwesten Während Herr Müller mit seiner Familie am reich gedeckten Frühstückstisch irgendwo im Nordwesten Deutschlands sitzt, steht Herr Yan im weit entfernten China schon seit drei Stunden am Fließband. Um seine Frau und sechs Kinder ernähren zu können, ging er in die Stadt auf Arbeitssuche. Seine Familie sieht er nur einmal im Monat. In der Stadt teilt er sein Zimmer mit zwei Arbeitskollegen. Produziert wird zurzeit ein Werbeartikel im Auftrag des Unternehmens von Herrn Müller, in diesem Fall ein Käfer.

Die Fabrik von Herrn Yan erhielt den Zuschlag nach einem zeitintensiven Auswahlverfahren mit harten Verhandlungen. Aufgrund von wirtschaftlichen Gründen und hohem Zeitdruck müssen Herr Yan und seine Kollegen zeitweise Überstunden machen. Dennoch ist die Bezahlung nicht annähernd vergleichbar mit westlichem Standard. Davon ahnt Herr Müller nichts, wenn er den Käfer seinen Firmenkunden als Werbegeschenk überreicht.

Wie können wir es zulassen, dass chinesische Arbeiter sich für so ein Leben entscheiden müssen?

China hat sich zu einer Industrienation erhoben, die es gleichermaßen noch nicht gegeben hat. Der Trend ist noch immer klar zu entdecken: Arme Bauern ziehen als Wanderarbeiter in große Städte, um Arbeit zu finden und ihrer Familie und sich selbst ein besseres Leben zu ermöglichen. Die meisten jedoch landen bei der sogenannten „Fließbandarbeit“.

Die Arbeitsbedingungen sind erbärmlich und ethisch in keiner Weise mehr zu vertreten. Die einzige Möglichkeit, dem Hungertod zu entrinnen, heißt für diese Menschen: Arbeiten um jeden Preis. Kann das die rechtswidrigen und menschenunwürdigen Bedingungen in den Produktionshallen ansatzweise rechtfertigen?

Ich habe mir als Beispiel ein Unternehmen gesucht, das durch Preisdumping und zunehmendem Konkurrenzkampf gezwungen ist, in China zu produzieren. Dieses Unternehmen hat sich dem „Sedex-Zertifikat“ unterworfen, welches weltweit dafür sorgt, dass in Unternehmen grundlegende Rechte eingehalten und dadurch die Menschen geschützt werden. So ist gesichert, dass es beispielsweise keine Kinderarbeit in den produzierenden Betrieben gibt. Ein Agent vor Ort kontrolliert die Produktion, in diesem Fall Marketingartikel für Industrie und Wirtschaft.

Durch die Individualität der Produkte ist die Zwischenschaltung eines Großhändlers nicht sinnvoll. Ein von dem deutschen Unternehmen entsandter Mittelsmann kontrolliert die Produktion und macht sich ein Bild von den realen Bedingungen. So geht das Unternehmen schon seit zehn Jahren vor, und es gab noch nie ernsthafte Schwierigkeiten. Die Endverbraucher beruhigen ihr schlechtes Gewissen durch das Wissen um das vorhandene Zertifikat. Dadurch erhoffen sie sich, dass etwaige Missstände, wie sie in den letzten Jahren publik geworden und durch Medien zerrissen wurden, nicht passieren können.

Der Konsument im Nordwesten Deutschlands – und nicht nur dort – möchte Qualität haben zu kleinen Preisen. Dieser Fokus macht eine Missachtung des Produktionslandes einfach. Die Bereitschaft, einen höheren Preis zu zahlen, fällt oft schwer. Der Kunde wäre genötigt, sein eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.

Die ethische und ökologische Vertretbarkeit kann schlussfolgernd die ernüchternde Erkenntnis mit sich bringen, dass der eigene Vorteil anderen Schaden zufügt. Das Zitat von Johann Wolfgang von Goethe drückt es gut aus: „Handeln ist leicht, denken schwer, nach dem Gedanken handeln unbequem.“

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