Im Nordwesten - „Nicht alle diejenigen, die investieren wollen, haben gleichermaßen lautere Absichten“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Juni 2020 bei einer Abstimmung über eine Gesetzesänderung, welche strengere Investitionskontrollen zur Folge hatte. Gemeint waren damit chinesische Direktinvestitionen, die von dem CDU-Politiker zuvor schon oft als Gefahr für die deutsche Wirtschaft bezeichnet wurden. Die Angst vor chinesischen Übernahmen in Deutschland ist groß und viele warnen gerade jetzt, infolge der Pandemie, erneut vor chinesischen Investitionen.
Diskussion dauert an
Tatsächlich sah es im Büro des auf die Luftfahrt spezialisierten Maschinenbauers Broetje-Automation in Rastede im Februar dieses Jahres doch ganz normal aus. Fast wie vor fünf Jahren, dieselbe Zentrale und dieselben Mitarbeiter. Damals stieg der chinesische Konzern Shanghai Electric bei dem Unternehmen als Investor ein. Im selben Jahr, in dem auch das Augsburger Roboterunternehmen KUKA an chinesische Investoren verkauft wurde. Dieser Verkauf löste damals jene Diskussion über eine mögliche systematische Übernahmewelle aus, die auch heute noch geführt wird. Technologietransfers, der Verlust von Innovation und ein ungleicher Marktzugang stehen dabei im Mittelpunkt der häufig geäußerten Bedenken.
Beim Unternehmen aus Rastede ist davon wenig zu spüren, sowohl die Positionierung des Unternehmens am Markt, als auch die Arbeit des Einzelnen hat sich durch die Investitionen kaum verändert. Norbert Steinkemper, Leiter Kommunikation und Marketing bei Broetje-Automation, erklärt, dass die Chinesen im Gegenteil als Stütze agieren und vor allem während der Corona-Pandemie für eine gewisse Stabilität sorgen. Er beschreibt das Unternehmen als „eigenständige Firma im Verbund des Investors“, was bedeutet, dass das Unternehmen trotz Zugehörigkeit zum chinesischen Mutterkonzern doch größtenteils souverän und unabhängig agiert. „Die Produktentwicklung findet somit weiterhin in Deutschland statt“, erklärt Steinkemper. Grund für das gute Verhältnis sei, dass der chinesische Investor mit dem Einstieg bei Broetje-Automation gezielt in die Branche der Luftfahrtindustrie einsteigen wollte, wodurch mehr Freiheiten für das Unternehmen bestünden.
Marktführer gefragt
Ähnlich wie Broetje-Automation wurden zwischen 2014 und 2017 mindestens 14 Unternehmen in Niedersachsen von chinesischen Investoren übernommen. Ein Großteil sind mittelständische und innovative Unternehmen, die in ihrer spezifischen Branche zu den Weltmarktführern gehören. Auch Broetje-Automation gehört mit den rund 600 Mitarbeitern zum Mittelstand und ist gleichzeitig Marktführer im eigenen Sektor. Ein Grund für den Erfolg des Unternehmens ist die Belieferung der größten Flugzeughersteller Airbus und Boeing.
Wachstum ermöglicht
Steinkemper erklärt, dass für Broetje-Automation der Verkauf an einen Finanzinvestor zuvor zunächst hilfreich war, um diesen Status zu erhalten. „Vor einigen Jahren haben die Flugzeughersteller ihre Lieferketten deutlich gestrafft. Hierzu wurde unter anderem gefordert, dass die Firmen, die direkt mit Airbus und Boeing zusammenarbeiten, eine bestimmte Größe haben.“ Ein deutliches Wachstum mithilfe externer Investoren war somit schon vor dem chinesischen Einstieg nötig und Teil der Unternehmensstrategie gewesen.
Schließlich hebt Steinkemper doch noch eine Veränderung hervor. „Wir haben von unserer Muttergesellschaft einen sogenannten Compliance Officer erhalten, der uns hilft, mit den chinesischen Regeln umzugehen, um im chinesischen Markt erfolgreicher zu sein“, erklärt er. Die Rechtslage bei Aufträgen in China sei eine andere als in Europa oder Amerika, der neue Mitarbeiter sei demnach eine Unterstützung.
„China ist kein homogenes Land, deswegen gibt es all diese Nuancen und Unterschiede bei den Investoren, von denen einige strenger vorgehen und andere weniger“, erklärt Steinkemper. Auch was die debattierten Technologietransfers angehe, sei das Feld in China heterogen und das Problem nicht rein chinesisch, weshalb die Auslandsgesellschaften von Broetje-Automation sowohl in China als auch in den USA erfolgreich eigene Produkte herstellten.
