Wilhelmshaven - Als der Jade-Weser-Port am 21. September 2012 in Betrieb genommen wurde, hatten viele lokale Unternehmen fest damit gerechnet, dass dieser Hafen ein großer Umschlagplatz für Container werden würde. Doch die Erwartungen wurden enttäuscht.
Im ersten Jahr wurden nur etwa 64 000 Container umgeschlagen. Das entspricht nicht einmal einem Zehntel der ursprünglichen Erwartungen. Viele Mitarbeiter des Jade-Weser-Ports wurden wieder entlassen oder arbeiten noch immer in Kurzarbeit. Auch auf externe Unternehmen wirken sich die niedrigen Umschlagzahlen aus.
Eines der betroffenen Unternehmen ist die Firma Nordfrost, die ihren Hauptsitz in Schortens etwa 15 km vom Jade-Weser-Port hat. 46 Millionen Euro hat Nordfrost in ein neues, modernes Kühlhaus investiert, im Glauben, dass bald viele Containerschiffe den Jade-Weser-Port ansteuern und mit ihnen auch viele Lebensmittel, die bei Nordfrost umgeschlagen werden könnten. Da dies aber bisher ausblieb, muss Nordfrost Lebensmittel aus dem Kühlhaus Bremerhaven nach Wilhelmshaven bringen, um das dortige Kühlhaus wenigstens teilweise auszulasten.
Betreiber des JWP und auch Besitzer des Grundstücks ist das Land Niedersachsen. Nordfrost und die Landesregierung streiten derzeit vor Gericht über die Einhaltung der Erbpacht Verträge, da Nordfrost diese Erbpacht bei weiter ausbleibenden Containerschiffen nicht zahlen will.
Nun gibt es aber mehrere Hoffnungsschimmer im Fall JWP. Bereits Ende Oktober kündigten Tchibo und BASF an, über den JWP Ware zu importieren. Erste Verladungen zum Test sind bereits erfolgt.
Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr teilt mit, dass Wirtschaftsminister Olaf Lies sehr über die Pläne des Reedereinetzwerkes 2M erfreut sei, das den JWP ansteuern will. Das Reedereinetzwerk 2M besteht aus den größten zwei Containerreedereien MSC und Maersk Line. Das derzeit größte Containerschiff der Welt, die MSC Oscar, legte im März erstmals in Wilhelmshaven an. Die zwei Großreedereien haben zugesagt, künftig auf ihren Linienfahrten regelmäßig mit 10 000 bis 18 000 Containern den Jade-Weser-Port anzusteuern.
In dieser Woche wurde schließlich bekannt, dass ein chinesisches Unternehmen künftig den Hafen nutzen will, um im großen Stil Baustoffe über Wilhelmshaven nach Deutschland zu exportieren.
