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nordwest-zeitung

Bildung So steht es in der Pandemie um Schüler

Niklas Büther Leonie Iken Levke Michelsen Athina Vrettopoulou

Varel - Einige Schülerinnen und Schüler leiden seit der Corona-Pandemie stark unter psychischen Belastungen. Diese gehen unter anderem mit negativen Folgen für die schulische Leistung einher und werden sich womöglich beim zukünftigen Start ins Berufsleben widerspiegeln. Nun stellt sich zunächst die Frage, wie genau die Pandemie die Schüler bisher belastet hat und auch weiterhin belasten wird.

Die Probleme

Das Schulleben wird erheblich durch die Einschränkungen und veränderten Umstände während der Pandemie beeinflusst. Insbesondere das Homeschooling stelle eine Mehrbelastung für Schüler dar, teilte die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Dr. Severine Thomas mit. Eine aktuelle Studie zu Jugend, Information und Media (JIM) hat ergeben, dass sich eine fehlende Tagesstruktur, der Wegfall von sozialen Kontakten und der Verlust des Überblicks über den geforderten Lernstoff als zusätzliche Herausforderungen erweisen, die es zu meistern gilt.

Die Folgen

Durch die Reduzierung auf das häusliche Umfeld verspüren die Betroffenen ein Gefühl von Einsamkeit. Dies bestätigten die Universitäten Hildesheim und Frankfurt am Main im vergangenen Frühjahr und Herbst in einer Studie zu „Jugend und Corona“.

Eine eigenständig durchgeführte Umfrage unter Jugendlichen aus der Region zeigte auf, dass Demotivation und psychischer Druck weitere Faktoren sind, mit denen besonders die Jugendlichen derzeit zu kämpfen haben.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen treten jedoch auch schwerwiegendere psychische Störungen auf, wie Psychotherapeuten aus der Region auf Nachfrage mitteilten. Hierzu gehören unter anderem Panikattacken, Antriebsstörungen sowie Depressionen, die möglichst schnell behandelt werden sollten.

Laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung leiden besonders leistungsschwächere Schüler unter der momentanen Situation. Hatten es diese schon vor der Pandemie schwer, so kommen zusätzliche Schwierigkeiten wie der Mangel an Selbstdisziplin und mögliche fehlende Unterstützung aus dem familiären Umfeld auf sie zu.

Weniger Mobbing

Positiv anzumerken ist allerdings, dass während des Homeschoolings weniger Schüler gemobbt werden. Jedoch ist bei der Rückkehr in die Schule eine größere Angst als zuvor zu erwarten, da die Gefahr von Mobbing weiterhin besteht. Dies erläuterte Kathrin Sevecke, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in einer Stellungnahme.

In einer Publikation des ifo Instituts warnen die Bildungsökonomin Prof. Dr. Silke Anger und der Arbeitsmarktforscher Dr. Malte Sandner, dass Schüler durch den Fernunterricht Angst davor hätten, den Schulstoff nicht verstehen zu können und, dass es keine Gelegenheit gebe, die verpassten Unterrichtseinheiten zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Eine Untersuchung von Infratest Dimap im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass im Vergleich zum Präsenzunterricht weniger Stunden unterrichtet würden. Durch den Wegfall regelmäßiger Leistungsbewertungen kann Anger und Sandner zufolge außerdem für einige Schüler der Ansporn zum Lernen fehlen. Sie eigneten sich deshalb womöglich weniger Wissen an.

Das Fazit

Insgesamt lässt sich eine negative Veränderung der Psyche erkennen, welche eine negative Auswirkung auf die Produktivität der Schüler und eine damit verbundene Abnahme der schulischen Leistung mit sich bringt.

Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen werden sich nicht von der Hand weisen lassen. Der Verlust an Lernstoff während des Schuljahres wird Folgen für das spätere Berufsleben haben. Wissenslücken und mangelnde Schulbildung könnten zu einem geringeren Erwerbseinkommen führen, befürchtet Ludger Wössmann, Bildungsökonom des Instituts für Wirtschaftsforschung.

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